Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Angst vor verschmutztem Wasser an Rios Stränden ist verständlich, aber oft pauschal. Statt weltberühmte Strände wie die Copacabana blind zu meiden, liegt die Lösung in der faktenbasierten Analyse. Indem Sie lernen, die wöchentlichen offiziellen Berichte des Umweltinstituts INEA zu lesen und die strukturellen Unterschiede zwischen den urbanen und den naturbelassenen Stränden im Westen zu verstehen, können Sie Ihre Badeorte mit der Sicherheit eines Experten auswählen und Ihren Urlaub ohne Gesundheitsrisiken genießen.

Rio de Janeiro beschwört Bilder von sonnenverwöhnten Stränden, dem Zuckerhut und purer Lebensfreude. Doch hinter der Postkartenidylle lauert eine Sorge, die viele gesundheitsbewusste Reisende umtreibt: die Wasserqualität. Geschichten über Verschmutzung in der Guanabara-Bucht und überfüllte Stadtstrände haben zu der Annahme geführt, dass ein Bad im Atlantik hier generell ein Risiko darstellt. Viele verlassen sich daher auf den Anblick des Wassers oder vage Empfehlungen – eine Methode, die oft in die Irre führt.

Die üblichen Ratschläge beschränken sich darauf, nach starken Regenfällen das Wasser zu meiden oder auf Warnflaggen zu achten. Diese Hinweise sind zwar korrekt, kratzen aber nur an der Oberfläche eines komplexen Themas. Es geht nicht nur um sichtbare Trübung, sondern um unsichtbare bakteriologische Belastungen. Doch was wäre, wenn der Schlüssel zur sicheren Badeerfahrung nicht im Raten, sondern im Wissen liegt? Wenn Sie lernen könnten, die Situation wie ein Umwelttechniker zu beurteilen, gestützt auf harte Daten und fundierte Beobachtungen?

Dieser Artikel gibt Ihnen genau diese Werkzeuge an die Hand. Wir werden uns von pauschalen Urteilen lösen und uns stattdessen auf Fakten konzentrieren. Sie erfahren, wie Sie die offiziellen Messdaten interpretieren, warum bestimmte Strände naturgemäß sauberer sind als andere und wie Sie sowohl die Risiken im Wasser als auch im Sand minimieren. So können Sie eine fundierte Entscheidung treffen und das Beste genießen, was Rios Küste zu bieten hat: das erfrischende Bad im Meer, aber mit der Gewissheit, es sicher zu tun.

In diesem Leitfaden finden Sie alle notwendigen Informationen, um die Wasserqualität an Rios Stränden selbst zu bewerten. Der folgende Überblick führt Sie durch die wichtigsten Aspekte, von der Interpretation offizieller Daten bis hin zu praktischen Sicherheitstipps vor Ort.

Wie lesen Sie die wöchentlichen Berichte des Umweltinstituts INEA richtig?

Die verlässlichste Quelle zur Beurteilung der Wasserqualität ist nicht Ihr Auge, sondern die Wissenschaft. Das staatliche Umweltinstitut von Rio de Janeiro (INEA) veröffentlicht wöchentlich, in der Regel freitags, einen detaillierten Bericht zur Badetauglichkeit der Strände, den sogenannten „Boletim de Balneabilidade“. Dieser Bericht basiert auf der Analyse von Wasserproben, die auf die Konzentration von Enterokokken, einer Indikatorbakterie für fäkale Verunreinigung, getestet werden. Zu lernen, diesen Bericht zu interpretieren, ist der wichtigste Schritt für eine sichere Badeerfahrung.

Die Berichte sind öffentlich zugänglich und klassifizieren Strandabschnitte als „própria“ (geeignet) oder „imprópria“ (ungeeignet). Es ist entscheidend zu verstehen, dass ein ganzer Strand wie Ipanema selten komplett gesperrt ist; vielmehr werden spezifische Abschnitte bewertet. So kann der Bereich vor der Rua Joana Angélica als sauber eingestuft sein, während der Abschnitt nahe eines Kanalausflusses als ungeeignet gilt. Ein aktueller Bericht zeigt beispielsweise, dass 18 von 22 Stränden in der Zona Sul und Oeste als badetauglich eingestuft wurden, was die oft übertriebene Panik relativiert.

Ihr Aktionsplan zur Prüfung der INEA-Berichte

  1. Website besuchen: Rufen Sie jeden Freitag die offizielle INEA-Website (inea.rj.gov.br) auf, um den aktuellen „Boletim de Balneabilidade“ zu finden.
  2. Zielstrände identifizieren: Suchen Sie Ihre gewünschten Strände in den Zonen „Sul“ (Süd) und „Oeste“ (West). Achten Sie auf genaue Ortsangaben, oft in Bezug auf Straßen oder Postos (Rettungstürme).
  3. Klassifizierung prüfen: Überprüfen Sie den Status Ihres Strandabschnitts. „Própria“ bedeutet grünes Licht, „Imprópria“ bedeutet, Sie sollten das Wasser meiden.
  4. Regel nach Regen beachten: Als Faustregel gilt: Meiden Sie das Meer für 24 bis 48 Stunden nach starken Regenfällen, selbst wenn der Strand als „própria“ eingestuft ist. Regen spült massive Mengen an Verschmutzungen von den Straßen und aus den Favelas in die Bucht.
  5. Abflüsse meiden: Halten Sie sich grundsätzlich von der unmittelbaren Nähe von Regenwasserabflüssen („línguas negras“) und Kanalmündungen fern, da hier die Schadstoffkonzentration am höchsten ist.

Diese proaktive Prüfung verwandelt Unsicherheit in Kontrolle und ermöglicht es Ihnen, die Strände zu genießen, die nachweislich sauber sind.

Warum sind diese abgelegenen Strände die saubersten der ganzen Stadt?

Während die Wasserqualität an den berühmten Stadtstränden wie Copacabana und Ipanema stark von Faktoren wie Regen und Abwassermanagement abhängt, gibt es in Rio de Janeiro Oasen, deren Sauberkeit strukturell bedingt ist. Die Strände im Westen der Stadt, insbesondere Prainha und Grumari, gelten durchweg als die saubersten der Metropole. Der Grund dafür ist einfach: Sie liegen innerhalb eines Naturschutzgebietes, dem „Parque Natural Municipal de Grumari“.

Diese Lage hat entscheidende Vorteile. Es gibt keine städtische Bebauung, keine Hochhäuser und somit auch keine direkten Abwassereinleitungen oder Regenwasserkanäle, die städtischen Schmutz ins Meer spülen. Die Strände sind von dichtem, geschütztem Atlantischem Regenwald (Mata Atlântica) umgeben, der als natürlicher Filter fungiert. Das Wasser hier ist oft kristallklar und bietet eine Wasserqualität, die mit der an den urbanen Stränden nicht zu vergleichen ist.

Unberührter Strand mit kristallklarem Wasser umgeben von grünen Bergen und tropischem Regenwald

Die außergewöhnliche Qualität dieser Strände ist offiziell anerkannt. Prainha erhielt als erster und bisher einziger Strand Rios das begehrte internationale Nachhaltigkeitszertifikat „Bandeira Azul“ (Blaue Flagge), eine Auszeichnung, die strenge Kriterien für Wasserqualität, Umweltmanagement und Sicherheit erfordert. Diese Strände sind der Beweis dafür, dass Rio de Janeiro weit mehr zu bieten hat als nur seine weltberühmten, aber oft überfüllten und problematischen Stadtstrände. Der Aufwand der Anreise wird mit einem Badeerlebnis in nahezu unberührter Natur belohnt.

Fallstudie: Grumari und Prainha – Rios sauberste Strände

Die Strände Grumari und Prainha gelten als die ursprünglichsten und saubersten von ganz Rio. Als Teil eines Naturschutzgebiets („Parque Natural Municipal“) sind sie von dichter Vegetation umgeben und frei von städtischer Bebauung. Prainha erhielt 2012 als erster und bisher einziger Strand Rios das internationale Nachhaltigkeitszertifikat ‚Bandeira Azul‘ der NGO ‚Foundation for Environmental Education‘. Die Anfahrt erfolgt per Metro bis Jardim Oceânico und weiter mit Taxi oder Uber, was den Zugang reguliert und die unberührte Qualität bewahrt.

Für gesundheitsbewusste Urlauber, die keine Kompromisse eingehen wollen, ist ein Tagesausflug in den Westen der Stadt daher die beste Garantie für ein unbeschwertes Badevergnügen.

Wann wird der Sand an der Copacabana gereinigt und ist er sicher für Kinder?

Die Sorge um die Sauberkeit in Rio endet nicht an der Wasserkante. Besonders der Sand an belebten Stränden wie der Copacabana birgt ein oft unterschätztes Gesundheitsrisiko, das über Müll hinausgeht: den Hautmaulwurf, bekannt als „Bicho Geográfico“. Verursacht wird dieser durch die Larven von Hakenwürmern (Larva migrans), die über den Kot von streunenden Hunden und Katzen in den Sand gelangen. Sie dringen in die menschliche Haut ein und verursachen juckende, schlangenlinienförmige Entzündungen. Zwar reinigen städtische Dienste den Sand maschinell von grobem Abfall, doch diese Maschinen entfernen nicht die mikroskopisch kleinen Larven.

Die Gefahr ist real. Eine Studie unter Reiserückkehrern aus Brasilien ergab, dass Hauterkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen gehören. Laut einer Harvard-Studie mit 1500 Reiserückkehrern entwickeln etwa 40% der Brasilienreisenden Hauterkrankungen, wobei die Larva migrans eine häufige Ursache ist. Besonders gefährdet sind Kinder, die direkt im trockenen, warmen Sand spielen, wo die Larven ideale Lebensbedingungen finden. Der Sand wird zwar nachts von der Müllabfuhr (COMLURB) gereinigt, aber diese Reinigung zielt auf sichtbaren Abfall, nicht auf Parasiten.

Daher ist absolute Vorsicht geboten. Die sicherste Methode, um den Kontakt mit den Larven zu vermeiden, ist, den direkten Hautkontakt mit trockenem Sand zu minimieren. Hier sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen:

  • Laufen Sie niemals barfuß am Strand, insbesondere nicht im trockenen Sandbereich. Tragen Sie konsequent Badeschuhe oder Flip-Flops.
  • Legen oder setzen Sie sich niemals direkt in den Sand. Benutzen Sie immer ein großes Handtuch, eine Strandmatte oder eine Liege.
  • Wenn Ihre Kinder Sandburgen bauen möchten, sollten sie dies ausschließlich im feuchten Sand unterhalb der Flutlinie tun. Die Larven überleben im Salzwasser und im ständig feuchten Milieu schlecht.
  • Seien Sie besonders vorsichtig an Strandabschnitten, an denen sich bekanntermaßen viele streunende Tiere aufhalten.
  • Sollten nach einem Strandbesuch juckende, linienförmige Hautirritationen auftreten, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.

Die Sauberkeit des Strandes ist also eine zweigeteilte Frage: Während der sichtbare Müll regelmäßig entfernt wird, bleibt das parasitäre Risiko eine konstante Bedrohung, die Eigenverantwortung erfordert.

Bedeutet eine rote Flagge immer „Haie“ oder meistens nur „Strömung“?

Eine rote Flagge, die am Strand von den „Guarda-Vidas“ (Rettungsschwimmern) gehisst wird, löst bei vielen Touristen sofort die Angst vor Haien aus. Diese Sorge ist jedoch in Rio de Janeiro unbegründet. Haiangriffe sind hier extrem selten. Die rote Flagge signalisiert fast ausnahmslos eine andere, weitaus realere Gefahr: starke Wellen und gefährliche Rückströmungen, bekannt als „correnteza de retorno“. Diese Strömungen sind unsichtbare „Flüsse“ im Meer, die mit großer Kraft aufs offene Meer hinausziehen und selbst geübte Schwimmer in Lebensgefahr bringen können.

Die wahre Gefahr an Rios Stränden ist also nicht die Fauna, sondern die Hydrodynamik des Atlantiks. Die Strände sind oft von starker Brandung geprägt, und besonders an der Copacabana können diese Rückströmungen tückisch sein. Das Flaggensystem ist daher Ihr wichtigster Sicherheitsindikator:

  • Grüne Flagge: Sichere Badebedingungen.
  • Gelbe Flagge: Vorsicht geboten. Nur erfahrene Schwimmer sollten ins Wasser gehen, da Strömung und Wellen moderat sind.
  • Rote Flagge: Badeverbot. Die Gefahr durch hohe Wellen oder starke Strömung ist zu groß.
  • Lila Flagge: Gefährliche Meerestiere (z.B. eine hohe Konzentration von Quallen). Diese Flagge wird in Rio jedoch nur sehr selten verwendet.
Rettungsschwimmerturm mit Blick auf bewegte Wellen und Strandbesucher aus sicherer Entfernung

Manchmal sind keine Flaggen gehisst, besonders früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Rettungsschwimmer nicht im Dienst sind. In solchen Situationen müssen Sie die Anzeichen für eine Rückströmung selbst erkennen können. Achten Sie auf Bereiche, in denen das Wasser aufgewühlt und sandfarben ist, wo Wellen nicht richtig brechen oder wo sich eine glattere Wasseroberfläche zwischen den brechenden Wellenlinien befindet. Der beste Indikator ist jedoch oft das Verhalten der Einheimischen: Wenn die Cariocas das Wasser meiden, sollten Sie es ihnen gleichtun.

Indem Sie die rote Flagge als ernste Warnung vor den Kräften des Ozeans und nicht als Hai-Alarm verstehen, können Sie die wahren Risiken richtig einschätzen und sich entsprechend verhalten.

Wie erreichen Sie den natürlichen Pool „Praia do Secreto“ sicher vor der Flut?

Zwischen den Stränden Macumba und Prainha verbirgt sich ein besonderes Juwel: die „Praia do Secreto“. Es handelt sich dabei nicht um einen Strand im herkömmlichen Sinne, sondern um einen natürlichen Felsenpool, der bei Ebbe entsteht und ein geschütztes, ruhiges Badeerlebnis mit kristallklarem Wasser bietet. Doch das Paradies hat einen Haken: Sein Zugang und seine Existenz sind vollständig von den Gezeiten abhängig. Ein Besuch zur falschen Zeit kann nicht nur enttäuschend, sondern auch gefährlich sein.

Der Schlüssel zu einem sicheren und erfolgreichen Ausflug zur Praia do Secreto liegt in der genauen Planung mithilfe von Gezeitentabellen. Die ideale Zeit für einen Besuch ist im Zeitfenster von zwei Stunden vor bis eine Stunde nach dem niedrigsten Wasserstand (Ebbe). Nur dann ist der Pool vom offenen Meer getrennt und der felsige Abstieg zum Pool ist sicher passierbar. Bei Flut verschwindet der Pool komplett unter den Wellen des Atlantiks, und die Strömung an den Felsen wird lebensgefährlich.

Websites wie „Tábua de Marés“ bieten präzise Gezeitenvorhersagen für Rio. Ein Blick darauf ist vor dem Aufbruch unerlässlich. Beachten Sie auch die Wellenhöhe: Bei starkem Seegang (Wellen über 1,5 Meter) sollte der Besuch verschoben werden, da die Wellen auch bei Ebbe über die Felsen schwappen können. Die Wassertemperatur ist hingegen meist angenehm; gemäß aktuellen Satellitendaten liegt sie oft bei Werten um 25,8°C. Die Sicherheit hat jedoch oberste Priorität.

Hier ist eine kurze Checkliste für Ihren Besuch:

  • Gezeitentabelle prüfen: Nutzen Sie eine verlässliche Quelle wie „Tábua de Marés“ für den exakten Zeitpunkt der Ebbe.
  • Rutschfeste Schuhe tragen: Der Abstieg über die Felsen ist glitschig. Flip-Flops sind ungeeignet; Wasserschuhe oder feste Sandalen sind besser.
  • Wasserbewegung beobachten: Wenn Sie vor Ort sind und das Wasser an den Felsen schnell ansteigt, ist das ein klares Zeichen, den Rückweg anzutreten.
  • Informieren Sie jemanden: Sagen Sie jemandem Bescheid, wohin Sie gehen und wann Sie voraussichtlich zurückkehren werden.

Wer sich an diese Regeln hält, wird mit einem unvergesslichen Bad in einem der einzigartigsten Naturschwimmbäder der Welt belohnt.

Wie erkennen Sie an den Flaggen, ob das Baden heute lebensgefährlich ist?

Die Flaggen der „Guarda-Vidas“ sind keine bloßen Empfehlungen, sondern ein direktes Kommunikationssystem über Leben und Tod. Sie zu ignorieren, ist die häufigste Ursache für Badeunfälle an Rios Küste. Das System ist einfach und international verständlich, doch die spezifische Häufigkeit der verschiedenen Warnstufen in Rio unterstreicht die permanent vorhandenen Gefahren. Das Meer ist hier selten „ruhig“.

Eine rote Flagge bedeutet immer ein absolutes Badeverbot. Dies wird nicht leichtfertig ausgesprochen und signalisiert, dass die Bedingungen – meist aufgrund von extrem hohen Wellen oder einer starken Rückströmung („correnteza de retorno“) – lebensgefährlich sind. Selbst wenn das Wasser aus der Ferne harmlos erscheint, ist die Anweisung der Experten vor Ort bindend. Die gelbe Flagge, die an 40-50% der Tage weht, ist eine differenzierte Warnung. Sie bedeutet „mäßige Gefahr“ und richtet sich an die Selbsteinschätzung der Schwimmer: Nur wer sehr erfahren im Umgang mit Wellen und Strömungen ist, sollte sich ins Wasser wagen. Für Kinder und unsichere Schwimmer bedeutet auch Gelb faktisch ein Badeverbot.

Die folgende Tabelle fasst das System und seine Bedeutung im Kontext von Rio zusammen:

Flaggensystem der Guarda-Vidas im Detail
Flaggenfarbe Bedeutung Empfohlenes Verhalten Häufigkeit in Rio
Grün Ruhiges Meer, sicher Baden erlaubt für alle 30-40% der Zeit
Gelb Mäßige Gefahr Nur erfahrene Schwimmer 40-50% der Zeit
Rot Hohe Gefahr Baden verboten 15-20% der Zeit
Lila Gefährliche Tiere Wasser komplett meiden Sehr selten
Keine Flagge Keine Überwachung Extreme Vorsicht Früh morgens/abends

Ein entscheidender, oft übersehener Faktor ist das Fehlen einer Flagge. Dies bedeutet nicht, dass das Meer sicher ist, sondern dass der Strandabschnitt nicht überwacht wird. In diesem Fall liegt die gesamte Verantwortung bei Ihnen. Als Ergänzung zu den offiziellen Signalen gibt es eine goldene Regel, die eine lokale Rio-Expertin treffend formulierte:

Wenn die Einheimischen nicht ins Wasser gehen, sollten Sie es auch nicht tun

– Tina, Rio-Expertin bei 22places.de

Diese einfachen farbigen Stoffstücke sind die direkteste Form der Risikokommunikation zwischen den Experten und Ihnen – ihre Botschaft zu respektieren, ist der Schlüssel zu Ihrer Sicherheit.

Warum riecht es an manchen Tagen in der Bucht strenger als an anderen?

Der unangenehme Geruch, der gelegentlich über Teilen von Rio de Janeiro liegt, insbesondere in der Nähe der Guanabara-Bucht und der Lagune Rodrigo de Freitas, ist ein direktes Symptom des größten Umweltproblems der Stadt: der massiven Wasserverschmutzung durch unbehandeltes Abwasser. Etwa die Hälfte des Abwassers der Metropolregion mit über 12 Millionen Einwohnern fließt immer noch ungeklärt in die Gewässer. Bei bestimmten Wetterlagen, wie Windstille oder ablandigem Wind, sowie bei Algenblüten, die durch den hohen Nährstoffgehalt im Wasser gefördert werden, wird dieser Geruch besonders intensiv wahrgenommen.

Die Guanabara-Bucht, an der Strände wie Botafogo und Flamengo liegen, ist am stärksten betroffen. Diese Strände sind seit Jahren fast durchgehend als „imprópria“ (ungeeignet) zum Baden eingestuft. Eine umfassende Studie mit 200 Spezialisten bewertete die Wasserqualität der Bucht mit der Note ‚D‘ auf einer Skala von A bis F, was der zweitschlechtesten möglichen Bewertung entspricht. Der Geruch ist also ein olfaktorischer Beweis für eine tiefgreifende ökologische Krise.

Fallstudie: Olympische Spiele 2016 und die Wasserqualität

Die Reinigung der Guanabara-Bucht war eines der größten Versprechen und gleichzeitig eines der größten Probleme vor den Olympischen Spielen 2016. Damals landeten etwa 70% des Abfalls der Stadt direkt in der Meeresbucht, was die Gesundheit der Segel- und Ruderathleten ernsthaft gefährdete. IOC-Präsident Thomas Bach bezeichnete die Wasserqualität als kritisch. Obwohl für die Dauer der Spiele temporäre und oberflächliche Säuberungsmaßnahmen ergriffen wurden, wie der Einsatz von Müllsammelbooten, blieb eine nachhaltige Sanierung des Abwassersystems aus. Das Problem besteht bis heute fort.

Für Touristen bedeutet dies: Der Geruch ist ein unmissverständliches Warnsignal. An Tagen, an denen es streng riecht, ist die Konzentration von Schad- und Nährstoffen im Wasser besonders hoch. Auch wenn die Strände an der offenen Atlantikküste (Copacabana, Ipanema, etc.) durch die Meeresströmung meist besser durchspült werden, können bei bestimmten Strömungsverhältnissen auch sie von Ausläufern des verschmutzten Wassers aus der Bucht erreicht werden. Der Geruch dient somit als grober, aber nützlicher Indikator für eine generell schlechte Wasserqualität in der Region an diesem Tag.

Er erinnert uns daran, warum die Wahl des richtigen Strandes und die Überprüfung der INEA-Daten so entscheidend sind, um den sauberen Teilen des Ozeans den Vorzug zu geben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Daten schlagen Vermutungen: Die wöchentlichen Berichte des INEA sind die einzige verlässliche Quelle zur Beurteilung der bakteriologischen Wasserqualität. Lernen Sie, sie zu lesen.
  • Geografie ist entscheidend: Die Strände im Westen (Prainha, Grumari), die in Naturschutzgebieten liegen, sind strukturell sauberer als die urbanen Strände, da es keine direkten Verschmutzungsquellen gibt.
  • Gefahr durch Strömung, nicht durch Haie: Die rote Flagge warnt vor lebensgefährlichen Rückströmungen („correnteza de retorno“), die das größte Risiko an Rios Küste darstellen.

Welche Wassersportart passt zu den starken Wellen von Rio de Janeiro?

Sobald Sie wissen, an welchen Stränden das Wasser sauber und sicher ist, eröffnet sich die Welt des Wassersports. Rios Küste ist geprägt von einer konstanten und oft starken Brandung des Atlantiks, was sie zu einem erstklassigen Ziel für sportliche Aktivitäten macht, die auf Wellen angewiesen sind. Flaches, ruhiges Wasser für Stand-Up-Paddling oder entspanntes Kajakfahren findet man eher selten an der offenen Küste. Die Bedingungen sind ideal für dynamischere Sportarten.

Die unangefochtene Nummer eins ist das Wellenreiten (Surfen). Strände wie Arpoador, an der Felsformation zwischen Copacabana und Ipanema, sind legendäre Surfspots. Für Anfänger und Fortgeschrittene bietet sich jedoch vor allem die weitläufige Küste von Barra da Tijuca an. Mit einer Länge von 18 km und bekannt für sein klares, grünes Wasser, gilt dieser Strand als der größte und einer der saubersten in Rio. Hier finden sich zahlreiche Surfschulen, die Kurse und Materialverleih anbieten. Die Wellen sind konstant, aber oft weniger überlaufen als an den berühmteren Spots.

Neben dem klassischen Surfen sind auch Bodyboarding und Kitesurfen (letzteres besonders an windigen Tagen in Barra) beliebte Aktivitäten. Die starken Wellen erfordern ein gewisses Maß an Respekt und körperlicher Fitness. Es ist ratsam, sich vorab über die lokalen Bedingungen zu informieren und, falls man Anfänger ist, unbedingt einen Kurs bei einer zertifizierten Schule zu buchen. Diese vermitteln nicht nur die Technik, sondern auch das essenzielle Wissen über Strömungen und Sicherheitsregeln am jeweiligen Spot.

Die Wahl der richtigen Sportart hängt also direkt von den natürlichen Gegebenheiten ab. Um das Beste aus den Wellen herauszuholen, ist es wichtig, die passende Aktivität für die vorherrschenden Bedingungen zu wählen.

Indem Sie einen sauberen Strand wie Barra da Tijuca wählen und sich für eine wellenaffine Sportart entscheiden, kombinieren Sie sportliche Herausforderung mit maximaler Sicherheit und können die Energie des Atlantiks auf die bestmögliche Weise erleben.

Geschrieben von Thomas Dr. Richter, Deutscher Allgemeinmediziner und Tropenmedizin-Spezialist mit Praxis in Ipanema. Fokus auf Reisegesundheit, Hitzeprävention und medizinische Versorgung für Touristen in den Tropen.