
Die Seele der Bossa Nova finden Sie nicht in Postkartenmotiven, sondern in der gelebten, intimen Atmosphäre abseits der Massen.
- Die berühmte „Garota de Ipanema“-Bar ist ein Kompromiss; wahre Magie finden Sie in kleinen Clubs wie dem Beco das Garrafas.
- Authentische Erlebnisse liegen oft im Unerwarteten: unter einem Baum im Botanischen Garten oder auf einer ruhigen Dachterrasse.
Empfehlung: Suchen Sie nicht nach Sehenswürdigkeiten, sondern nach Klängen. Schließen Sie die Augen und hören Sie hin – das ist der Schlüssel zum wahren Geist von Jobim und de Moraes.
Stellen Sie sich eine laue Nacht in Rio de Janeiro vor. Aus einer Gasse dringt der leise, synkopierte Klang einer Nylonsaitengitarre, eine sanfte Stimme singt von Sehnsucht und der Schönheit des Augenblicks. Dies ist der Klang der Bossa Nova, die unsterbliche Melodie, die von Legenden wie Antônio Carlos „Tom“ Jobim und dem Dichter Vinicius de Moraes in die Welt getragen wurde. Viele Reisende kommen heute nach Rio auf der Suche nach diesem Gefühl, bewaffnet mit einer Liste von Orten: eine Bar, eine Statue, ein Straßenname. Sie hoffen, den Geist dieser musikalischen Revolution einzufangen.
Doch die üblichen Touristenpfade führen oft nur zur kommerzialisierten Hülle dieser Kultur. Man macht ein Foto, trinkt eine Caipirinha und geht weiter, ohne die eigentliche Seele der Musik gespürt zu haben. Die wahre Magie der Bossa Nova war nie laut oder plakativ. Sie lag in der Intimität, in der Komplexität, die sich als Einfachheit tarnt, und in einer tiefen Melancholie, die die Brasilianer „Saudade“ nennen. Die Suche nach diesem Erbe ist daher weniger eine geografische Schnitzeljagd als vielmehr eine atmosphärische Spurensuche.
Doch was, wenn der Schlüssel zum Erbe von Jobim und de Moraes nicht darin liegt, ihre Denkmäler abzuhaken, sondern darin, die Kunst des Hinhörens neu zu erlernen? Dieser Artikel ist Ihr Begleiter auf dieser Mission. Wir werden die berühmten Orte besuchen, aber wir werden sie mit den Ohren eines Musikliebhabers hinterfragen. Wir suchen die leisen Töne in einer lauten Stadt und finden heraus, wo die Bossa Nova nicht nur als Erinnerung existiert, sondern wo sie heute noch atmet, lebt und inspiriert. Wir unterscheiden zwischen dem Echo und der Stimme selbst und geben Ihnen das Rüstzeug, die authentische Klanglandschaft Rios zu entdecken.
In den folgenden Abschnitten führen wir Sie durch die Gassen und über die Dächer von Ipanema und Copacabana. Wir navigieren zwischen Legende und Realität, um Ihnen zu zeigen, wo und wie Sie die Essenz der Bossa Nova heute noch authentisch erleben können.
Inhaltsverzeichnis: Eine musikalische Reise durch Rio
- Ist die Bar, in der der Welthit geschrieben wurde, heute nur noch eine Touristenfalle?
- Wie erleben Sie ein intimes Konzert in der Gasse, wo die Bossa Nova begann?
- Können Sie das ehemalige Wohnhaus des Dichters besuchen oder darin übernachten?
- Wo finden Sie originale Vinyl-Pressungen aus den 60er Jahren in Copacabana?
- Welche Route führt Sie zu den wichtigsten Statuen und Orten der Musiker in Ipanema?
- Wo finden Sie heute noch die leisen Töne der Bossa Nova in der lauten Stadt?
- Wann muss man in Ipanema reservieren, um einen Platz auf der Dachterrasse zu bekommen?
- Wie unterscheiden Sie Bossa Nova, Samba und Funk beim Hören?
Ist die Bar, in der der Welthit geschrieben wurde, heute nur noch eine Touristenfalle?
Die Bar „Garota de Ipanema“, ehemals „Veloso Bar“, ist der Ground Zero der Bossa-Nova-Mythologie. Hier sollen Tom Jobim und Vinicius de Moraes gesessen haben, als sie, inspiriert von einer vorbeigehenden Schönheit, den Welthit „The Girl from Ipanema“ schrieben. Heute ist die Bar eine Institution, ein Pflichtstopp für viele Touristen. Doch ist sie auch ein Ort authentischer Musikkultur? Die Antwort ist zwiespältig. Einerseits ist die Atmosphäre geschichtsträchtig, die Wände sind mit Fotos und Notenblättern geschmückt. Andererseits ist der Ort oft überlaufen und laut – das genaue Gegenteil der intimen, leisen Natur der Bossa Nova.
Internationale Besucher scheinen die Nostalgie zu schätzen; die Bar erhält durchschnittlich 4 von 5 Sternen bei internationalen Bewertungen, doch Einheimische meiden sie oft. Der wahre Geist der Musik hat sich in ruhigere Ecken zurückgezogen. Direkt gegenüber befindet sich beispielsweise die Vinicius Bossa Nova Bar, die von vielen Cariocas bevorzugt wird. Hier gibt es im Obergeschoss eine Piano-Bar mit regelmäßiger Live-Musik für einen moderaten Eintritt, während im Erdgeschoss ein Restaurant zu authentischen Klängen gehobene Küche serviert.
Die „Garota de Ipanema“ ist also mehr ein Museum als eine lebendige Bühne. Ein Besuch kann sich lohnen, um die Geschichte zu atmen, aber wer die Musik fühlen will, muss weiterziehen. Wenn Sie sich dennoch für einen Besuch entscheiden, können Sie das Erlebnis mit der richtigen Herangehensweise optimieren.
- Besuchen Sie die Bar außerhalb der Stoßzeiten, insbesondere zwischen 19 und 21 Uhr sollten Sie sie meiden.
- Bestellen Sie lokale Klassiker wie ein saftiges Picanha-Steak oder die traditionelle Feijoada.
- Genießen Sie eine klassische Caipirinha – sie ist hier oft stark und authentisch gemixt.
- Versuchen Sie, einen der historischen Tische am Fenster zu bekommen, von wo aus die Meister einst das Treiben auf der Straße beobachteten.
- Nehmen Sie sich Zeit, die historischen Fotos und Erinnerungsstücke an den Wänden zu betrachten.
Wie erleben Sie ein intimes Konzert in der Gasse, wo die Bossa Nova begann?
Wenn die „Garota de Ipanema“-Bar die Geburtsstätte des Mythos war, dann ist der Beco das Garrafas (die „Gasse der Flaschen“) die Wiege des Klangs. Diese unscheinbare Sackgasse in Copacabana, nur wenige Schritte vom berühmten Strand entfernt, beherbergte in den späten 50er und frühen 60er Jahren die Clubs, in denen die Bossa Nova ihre Form fand. Musiker wie Sérgio Mendes und Elis Regina traten hier auf. Die Gasse erhielt ihren Namen, weil Anwohner aus den oberen Stockwerken mit Flaschen nach den Nachtschwärmern warfen. Heute ist die Gasse wiederbelebt und beherbergt zwei legendäre Clubs: den „Little Club“ und die „Bottle’s Bar“.

Hier finden Sie genau die atmosphärische Dichte, die in den größeren, lauteren Etablissements fehlt. Die Clubs sind winzig, oft mit einer Kapazität von maximal 60 Personen, was eine unglaubliche Nähe zu den Musikern schafft. Der Eintritt ist mit rund 30 Reais (etwa 6 Euro) erschwinglich. Hier geht es nicht um die Show, sondern um die Musik. Das Publikum ist eine Mischung aus Kennern, jungen Musikstudenten und neugierigen Reisenden, die das Authentische suchen. Die Stimmung ist konzentriert und respektvoll, ein Ort des bewussten Hinhörens.
Ein Besucher fasste die Erfahrung treffend zusammen, wie man es besser nicht sagen könnte:
Beco is NOT a tourist trap; it’s a serious club for music, and both the musicians AND the audience were there solely for appreciating the great popular music of Brazil.
– Musikliebhaber auf TripAdvisor, TripAdvisor Bewertung 2024
In diesen Clubs erleben Sie die Bossa Nova so, wie sie gedacht war: als leise, hochkomplexe und zutiefst emotionale Kammermusik. Es ist ein Erlebnis, das lange nachklingt und ein tiefes Verständnis für die Seele dieser Kunstform vermittelt.
Können Sie das ehemalige Wohnhaus des Dichters besuchen oder darin übernachten?
Die Suche nach den privaten Rückzugsorten der Bossa-Nova-Helden führt oft zu einer Sackgasse. Das ehemalige Wohnhaus des Dichters Vinicius de Moraes in Ipanema, in der nach ihm benannten Rua Vinicius de Moraes, ist heute in Privatbesitz und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Besuch beschränkt sich auf einen Blick von außen auf die Fassade. Ähnliches gilt für die Wohnungen von Tom Jobim. Doch die Suche nach der Seele der Musik führt ohnehin an andere, zugänglichere und vielleicht sogar spirituellere Orte.
Während Vinicius‘ Haus eine private Hülle bleibt, ist Tom Jobims eigentliches Heiligtum ein öffentlicher Ort von magischer Schönheit: der Botanische Garten von Rio (Jardim Botânico). Jobim war ein passionierter Naturliebhaber und verbrachte unzählige Stunden in diesem Park. Er fand hier Inspiration für seine Kompositionen, die oft von der brasilianischen Flora und Fauna durchdrungen sind. Nahe dem Brunnen „Chafariz das Musas“ steht heute ein riesiger Samaúma-Baum, der ihm als Denkmal gewidmet ist. Es wird erzählt, dass der Maestro oft im Schatten dieses Baumes saß, auf seinen gewaltigen Wurzeln, um zu komponieren und zu spielen. Diesen Ort zu besuchen, sich unter den Baum zu setzen und der Klanglandschaft des Gartens zu lauschen, bringt einen dem Geist Jobims vielleicht näher als jede Gedenktafel an einem Wohnhaus.
Für diejenigen, die dennoch im Stil der Bossa Nova übernachten möchten, gibt es wunderbare Alternativen, die den Geist der Ära in Design und Atmosphäre einfangen:
- Hotel Fasano Ipanema: Ein Meisterwerk des Mid-Century-Modern-Designs von Philippe Starck mit einem legendären Rooftop-Pool und Blick auf den Strand von Ipanema.
- Praia Ipanema Hotel: Bietet mit dem „Espaço 7zero6“ eine moderne Interpretation von Luxus und einen atemberaubenden 360-Grad-Blick über die Stadt.
- Boutique-Apartments: In der Rua Vinicius de Moraes finden sich zahlreiche stilvolle Apartments zur Miete, die ein authentisches Wohngefühl im Herzen des Bossa-Nova-Viertels vermitteln.
Wo finden Sie originale Vinyl-Pressungen aus den 60er Jahren in Copacabana?
Für den wahren Musik-Nostalgiker geht nichts über das haptische Erlebnis, eine originale Vinyl-Pressung in den Händen zu halten. Das leise Knistern der Nadel, das großformatige Cover-Artwork – all das ist Teil der Bossa-Nova-Erfahrung. In einer Stadt wie Rio, die so reich an musikalischer Geschichte ist, gibt es noch immer Schatztruhen für Sammler und Liebhaber. Die Suche nach diesen originalen Pressungen aus den 60er Jahren ist eine Entdeckungsreise für sich und führt Sie in spezialisierte Läden, sogenannte „Sebos“, die oft mehr sind als nur Plattenläden.
Zwei Adressen sind für jeden Bossa-Nova-Pilger unerlässlich und werden in Kennerkreisen als zentrale Anlaufstellen empfohlen. Sie sind nicht nur Verkaufsorte, sondern auch kulturelle Treffpunkte, an denen man mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen kann. Hier finden Sie nicht nur die berühmten Alben von João Gilberto oder Astrud Gilberto, sondern mit etwas Glück auch seltene Aufnahmen und vergessene Juwelen.
Die erste wichtige Station ist die Livraria Bossa Nova & Cia in der Rua Duvivier, 37, direkt im legendären Beco das Garrafas in Copacabana. Dieser Laden ist seit Jahrzehnten auf alles spezialisiert, was mit Bossa Nova zu tun hat. Neben Büchern und CDs findet man hier eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Vinyl, sowohl Neuauflagen als auch Originale. Der Besitzer ist oft selbst vor Ort und teilt sein enzyklopädisches Wissen gerne mit den Kunden.
Die zweite unverzichtbare Adresse ist die Buchhandlung Toca do Vinicius in der Rua Vinicius de Moraes 129/C in Ipanema. Seit 1993 ist dieser Laden ein Tempel für alles, was mit dem Dichter und der Bossa Nova zusammenhängt. Neben einer beeindruckenden Sammlung von Büchern und Partituren gibt es hier eine exzellente Auswahl an Vinyl-Raritäten. Hier eine Platte zu kaufen, fühlt sich an, als würde man ein Stück authentischer Geschichte mit nach Hause nehmen, weit entfernt von den üblichen Souvenirs.
Welche Route führt Sie zu den wichtigsten Statuen und Orten der Musiker in Ipanema?
Eine Spurensuche in Ipanema lässt sich wunderbar zu einem Spaziergang verbinden, der die offiziellen Gedenkorte mit der lebendigen Atmosphäre des Viertels verknüpft. Diese Route ist keine starre Abfolge, sondern ein Vorschlag, die Orte als narrative Stationen zu erleben. Anstatt sie nur abzuhaken, nutzen wir sie als Ausgangspunkte, um die Umgebung mit den Augen und Ohren von Jobim und de Moraes wahrzunehmen. Unsere Route führt uns vom Offensichtlichen zum Spirituellen.
Startpunkt: Die Legende – Bar Garota de Ipanema. Wir beginnen an der Ecke der Rua Vinicius de Moraes und Rua Prudente de Morais. Wir werfen einen Blick in die Bar, erkennen sie als historischen, aber auch touristischen Ort an und ziehen dann weiter, die Rua Vinicius de Moraes hinunter in Richtung Strand. Die Straße selbst ist ein Denkmal, ein ständiger Verweis auf den Dichter.
Zwischenstopp: Das Denkmal – Tom Jobims Statue. Am Ende der Avenida Vieira Souto, kurz vor dem Arpoador-Felsen, treffen wir auf die lebensgroße Bronzestatue von Tom Jobim. Er ist mit seiner Gitarre über der Schulter dargestellt, ein schlanker Mann auf dem Weg zum Strand. Viele machen hier ein schnelles Foto. Doch nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Schauen Sie in die Richtung, in die Jobim blickt – auf den Strand von Ipanema, den er so sehr liebte. Versuchen Sie, die Melodien seiner Lieder in der Brandung und im Lachen der Menschen wiederzufinden. Die Statue ist kein Ziel, sondern ein Impuls, die Perspektive des Künstlers einzunehmen.
Endpunkt: Die Seele – Sonnenuntergang am Arpoador. Der Höhepunkt unserer Route ist kein Bauwerk, sondern ein Ritual. Gehen Sie die wenigen Meter weiter zum Arpoador-Felsen, dem Felsvorsprung, der die Strände von Ipanema und Copacabana trennt. Suchen Sie sich einen Platz und warten Sie auf den Sonnenuntergang. Dies ist einer der magischsten Momente in Rio. Wenn die Sonne hinter dem Morro Dois Irmãos versinkt, geschieht etwas Einzigartiges: Die Menschen auf dem Felsen beginnen zu applaudieren. Ein spontaner, gemeinschaftlicher Applaus für die Schönheit der Natur. Dieser Moment der geteilten Ehrfurcht und stillen Freude verkörpert die Seele der Bossa Nova vielleicht mehr als jede Statue oder Gedenktafel.

Wo finden Sie heute noch die leisen Töne der Bossa Nova in der lauten Stadt?
Die Suche nach den leisen Tönen der Bossa Nova in einer pulsierenden Metropole wie Rio de Janeiro erfordert ein geschultes Ohr und die Bereitschaft, abseits der ausgetretenen Pfade zu suchen. Während die kleinen Clubs im Beco das Garrafas die reinste Form der Live-Erfahrung bieten, hat sich der Geist der Bossa Nova auch in andere Nischen zurückgezogen. Oft findet man ihn als subtile Klangtapete in exklusiven, ruhigen Umgebungen, wo er zur anspruchsvollen Atmosphäre beiträgt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Besonders die eleganten Rooftop-Bars der Luxushotels in Ipanema haben sich zu Oasen der leisen Töne entwickelt. Hier oben, über dem Lärm der Stadt, verschmilzt die sanfte Musik mit dem atemberaubenden Panorama und schafft ein multisensorisches Erlebnis. Man kommt nicht primär für ein Konzert, sondern für die Gesamtkomposition aus Aussicht, Ambiente und eben jener dezenten, aber präsenten Musik. Führende Guides für Rooftop-Bars heben hervor, wie diese Orte eine moderne, luxuriöse Interpretation der entspannten Bossa-Nova-Kultur pflegen.
Ein herausragendes Beispiel ist der Rooftop-Pool des Hotel Fasano am 8. Stock. Der Zugang ist meist Hotelgästen vorbehalten, doch der exklusive Rahmen wird von einer sorgfältig kuratierten Playlist mit dezenter Bossa Nova untermalt. Der Blick auf den Strand von Ipanema, den Jobim und de Moraes besangen, wird hier mit dem originalen Soundtrack versehen.
Eine weitere Top-Adresse ist das Espaço 7zero6 auf dem Dach des Praia Ipanema Hotels. Diese Bar und das Restaurant bieten einen spektakulären 360-Grad-Panoramablick über Rio. Hier wird oft täglich Live-Jazz und Bossa Nova in einem sehr intimen Rahmen gespielt. Die Musik ist nicht die Hauptattraktion, sondern der perfekte Begleiter für einen unvergesslichen Abend über den Dächern der Stadt. Hier wird die Bossa Nova zu dem, was sie immer war: der anspruchsvolle Soundtrack für das gute Leben.
Wann muss man in Ipanema reservieren, um einen Platz auf der Dachterrasse zu bekommen?
Die Rooftop-Bars in Ipanema sind keine Geheimtipps mehr. Sie sind begehrte Orte, besonders während der magischen Stunden des Sonnenuntergangs. Wer plant, den Tag mit einer Caipirinha und sanfter Bossa-Nova-Musik über den Dächern von Rio ausklingen zu lassen, sollte vorausschauend planen. Spontane Besuche können, besonders an Wochenenden, in Enttäuschung enden. Die Nachfrage nach den besten Plätzen mit freiem Blick auf den Sonnenuntergang ist enorm.
Als Faustregel gilt: Für einen Besuch am Wochenende sollten Sie mindestens 2-3 Tage im Voraus reservieren. An Wochentagen ist es oft etwas entspannter, aber eine Reservierung am Vortag ist auch hier ratsam, um sicher einen guten Tisch zu bekommen. Viele Hotels priorisieren ihre eigenen Gäste, daher ist es für externe Besucher umso wichtiger, sich rechtzeitig anzumelden. Die meisten Reservierungen können einfach online über die Website des Hotels oder telefonisch vorgenommen werden. Denken Sie auch an den Dresscode: Während tagsüber am Pool eine legere Kleidung akzeptiert wird, wird abends in vielen dieser gehobenen Etablissements ein „Smart Casual“-Look erwartet.
Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen schnellen Überblick über drei der bekanntesten Rooftop-Bars in der Region Ipanema und ihre jeweiligen Besonderheiten in Bezug auf Reservierung und Zugang.
| Rooftop Bar | Adresse | Dresscode | Reservierung |
|---|---|---|---|
| Fasano Pool Lounge | Av. Vieira Souto, 80 | Casual | Nur Hotelgäste |
| Espaço 7zero6 | Av. Vieira Souto, 706 | Smart Casual | Online/Telefon |
| Bar da Laje | R. Armando Almeida Lima, 8 | Casual | Walk-in möglich |
Eine gute Planung ist der Schlüssel, um diese exklusiven Erlebnisse ohne Stress genießen zu können. Ein reservierter Platz garantiert nicht nur den Eintritt, sondern oft auch die beste Perspektive auf eines der schönsten Naturschauspiele der Welt, untermalt vom zeitlosen Klang Rios.
Das Wichtigste in Kürze
- Der wahre Geist der Bossa Nova liegt in der intimen, leisen Atmosphäre kleiner Clubs, nicht in überlaufenen Touristen-Hotspots.
- Spirituelle Orte wie der Botanische Garten können eine tiefere Verbindung zu den Künstlern schaffen als ihre ehemaligen, unzugänglichen Wohnhäuser.
- Die Suche nach Bossa Nova ist eine Übung im bewussten Hinhören – ob bei einem Live-Konzert, auf einer Rooftop-Bar oder beim Applaus für den Sonnenuntergang am Arpoador.
Wie unterscheiden Sie Bossa Nova, Samba und Funk beim Hören?
Wer durch die Straßen Rios geht, wird von einer vielfältigen Klanglandschaft umgeben. Laute, treibende Rhythmen dringen aus den Bars, elektronische Bässe wummern aus Autos und dazwischen mischen sich immer wieder die sanften Klänge einer Gitarre. Um die Bossa Nova wirklich zu finden, muss man sie von den anderen dominanten Musikstilen Brasiliens unterscheiden können: dem allgegenwärtigen Samba und dem neueren, urbanen Funk Carioca. Der Schlüssel liegt im bewussten Hinhören auf Rhythmus, Instrumentierung und Gefühl.
Die Bossa Nova entstand als eine intellektuelle, intime Reaktion auf den lauten, gemeinschaftlichen Samba. Ihre rhythmische DNA ist im Grunde eine Reduktion der perkussiven „Batucada“ des Sambas auf eine einzige Gitarre. Der Gitarrist spielt mit dem Daumen eine Basslinie, die die große Surdo-Trommel des Sambas stilisiert, während die Finger die komplexen, synkopierten Akkorde zupfen, die das Tamborim nachahmen. Das Ergebnis ist ein leiser, hochkomplexer Rhythmus, der die schwachen Taktzeiten betont und ein Gefühl von schwebender Leichtigkeit erzeugt. Die Instrumentierung ist minimalistisch: oft nur Stimme und Gitarre, ergänzt durch ein dezent gespieltes Schlagzeug und einen Kontrabass. Die Harmonien sind vom Cool Jazz beeinflusst, die Melodien oft melancholisch.
Der Samba hingegen ist das genaue Gegenteil: laut, extrovertiert und auf die Gemeinschaft ausgerichtet. Sein Herzstück ist die massive Percussion-Sektion (die Bateria), die einen treibenden, unerbittlichen Rhythmus erzeugt. Die Gitarre (oft eine siebensaitige) spielt eher rhythmische Begleitmuster als komplexe Harmonien. Samba ist Musik zum Tanzen, zum Mitsingen, für die Straße und den Karneval. Der Funk Carioca wiederum ist ein rein elektronisches Genre, geprägt von repetitiven, basslastigen Beats und oft provokanten Texten. Er ist die rohe, direkte Stimme der Favelas und hat rhythmisch wenig mit den organischen Mustern von Samba oder Bossa Nova zu tun.
Ihr praktischer Hör-Guide: Die drei Stile erkennen
- Fokus auf die Rhythmusquelle: Hören Sie eine einzelne, komplex gezupfte Nylonsaitengitarre, die den Rhythmus trägt? Das ist Bossa Nova. Hören Sie eine Wand aus Trommeln und Percussion? Das ist Samba. Hören Sie einen elektronischen, repetitiven Beat? Das ist Funk.
- Achten Sie auf die Lautstärke und Atmosphäre: Ist die Musik leise, intim und für den kleinen Raum gemacht? Bossa Nova. Ist sie laut, mitreißend und für eine große Menschenmenge? Samba.
- Analysieren Sie die Harmonie: Klingen die Akkorde komplex, jazzig und wechselhaft? Bossa Nova. Sind sie einfacher und repetitiver? Eher Samba.
- Beachten Sie das Gefühl: Fühlt sich die Musik melancholisch, nachdenklich und elegant an („Saudade“)? Bossa Nova. Fühlt sie sich fröhlich, energetisch und erdverbunden an? Samba.
- Machen Sie den Test: Hören Sie João Gilbertos „Chega de Saudade“ und achten Sie auf die Gitarre. Dann hören Sie einen beliebigen Karnevals-Samba und spüren Sie die Macht der Bateria. Der Unterschied wird sofort klar.
Jetzt sind Sie bereit, Rio de Janeiro nicht nur zu sehen, sondern es wirklich zu hören. Gehen Sie hinaus, folgen Sie den leisen Tönen und entdecken Sie den unsterblichen Geist von Jobim und de Moraes, der in den verborgenen Winkeln der Stadt weiterlebt.