
Für europäische Sportler ist Rios Ozean oft eine Falle: Die einladenden Wellen verbergen spezifische Gefahren, die sich von denen im Mittelmeer oder der Nordsee grundlegend unterscheiden.
- Lokale Risiken wie Unterströmungen (Rip Currents) und durch Gebäude verursachte Windschatten sind für Uninformierte unsichtbar und die größte Gefahr.
- Jeder Strandabschnitt hat ein eigenes Risikoprofil; eine pauschale Empfehlung für eine Sportart ist fahrlässig.
Empfehlung: Ersetzen Sie reinen Mut durch lokales Wissen. Beobachten Sie die Einheimischen, lernen Sie, die Gefahrenzeichen des Ozeans zu lesen, und wählen Sie gezielt ruhigere Alternativen oder sichere Nischenspots.
Die Vorstellung ist verlockend: Als sportbegeisterter Europäer landet man in Rio de Janeiro, blickt auf die ikonischen Strände von Copacabana und Ipanema und sieht die kraftvollen, perfekt geformten Wellen des Atlantiks. Der erste Impuls ist klar – Surfbrett oder Kite schnappen und sich in die Fluten stürzen. Doch genau hier beginnt ein weit verbreitetes und gefährliches Missverständnis. Die brasilianische Küste, insbesondere in Rio, operiert nach eigenen Regeln, die mit den Bedingungen am Mittelmeer, der Ostsee oder selbst der europäischen Atlantikküste wenig gemeinsam haben.
Viele erfahrene Sportler verlassen sich auf ihre körperliche Fitness und allgemeine Erfahrung, übersehen dabei aber die entscheidenden lokalen Faktoren. Die Gefahr in Rio liegt weniger in der Höhe der Wellen, sondern in dem, was unsichtbar bleibt: tückische Unterströmungen, die selbst starke Schwimmer aufs Meer ziehen, unberechenbare Windverhältnisse durch die massive Bebauung und eine Wasserqualität, die stark von den jüngsten Regenfällen abhängt. Wer hier ohne spezifisches Wissen handelt, riskiert nicht nur einen ruinierten Urlaubstag, sondern seine Sicherheit.
Doch was, wenn der Schlüssel zu einem sicheren Wassersporterlebnis nicht darin liegt, die Wellen zu bezwingen, sondern sie zu verstehen? Wenn es nicht darum geht, welcher Sportler Sie sind, sondern darum, wie gut Sie die Umgebung lesen können? Dieser Guide bricht mit den pauschalen Empfehlungen. Stattdessen analysieren wir die spezifischen Bedingungen Rios und zeigen Ihnen, warum manche Spots für Kitesurfer tabu sind, wo Anfänger sicher paddeln können und warum Bodyboarding oft die klügere Wahl als Wellenreiten ist. So können Sie den Ozean mit dem Respekt und dem Wissen eines Einheimischen genießen.
In den folgenden Abschnitten finden Sie eine detaillierte Analyse der gängigsten Wassersportarten, bewertet nach den einzigartigen Herausforderungen und sicheren Möglichkeiten, die Rio de Janeiro bietet.
Inhaltsverzeichnis: Sicherer Wassersport in der Wellenstadt Rio
- Warum unterschätzen Europäer oft die Unterströmungen an Rios Stränden?
- Warum ist Barra der einzige sichere Spot für Kitesurfer in Rio?
- Wie sicher ist eine Kajaktour am Praia Vermelha für Anfänger?
- Wie viel kostet ein Surfbrett pro Stunde und wo leihen Sie Qualität?
- Warum ist Bodyboarding die sicherste Alternative zum Wellenreiten?
- Warum ist das Baden direkt am Felsen von Arpoador oft lebensgefährlich?
- Wie lesen Sie die wöchentlichen Berichte des Umweltinstituts INEA richtig?
- Wo finden Sie ruhiges Wasser für Stand-Up-Paddling in der Wellenstadt Rio?
Warum unterschätzen Europäer oft die Unterströmungen an Rios Stränden?
Europäische Gewässer, sei es das relativ ruhige Mittelmeer oder die gezeitenstarken, aber berechenbaren Nord- und Ostseeküsten, bereiten Sportler selten auf die spezifische Gefahr von Rios Unterströmungen (Rip Currents) vor. Das Problem ist nicht die Strömung an sich, sondern ihre trügerische Natur. Sie entstehen, wenn große Wassermengen, die von den Wellen an den Strand gedrückt werden, durch schmale Kanäle wieder ins Meer zurückfließen. An Rios langen, offenen Sandstränden bilden sich diese Kanäle oft spontan und sind für das ungeübte Auge kaum zu erkennen. Sie sehen oft wie ein ruhigerer Wasserabschnitt zwischen den brechenden Wellen aus – eine scheinbar einladende Zone, die in Wahrheit eine schnelle Strömung aufs offene Meer hinaus ist.
Ein weiterer Faktor ist die psychologische Fehleinschätzung. Ein fitter Schwimmer, der es gewohnt ist, gegen Strömungen in Flüssen oder Gezeiten anzukämpfen, glaubt fälschlicherweise, er könne auch hier direkt gegen die Kraft des Wassers ankommen. Das ist bei einer Unterströmung fatal. Der Versuch, direkt zum Strand zurückzuschwimmen, führt zur völligen Erschöpfung. Das lokale Wissen, das den Cariocas in die Wiege gelegt wird, besagt: Schwimme parallel zum Strand, um den schmalen Kanal der Strömung seitlich zu verlassen, und nutze erst dann die Wellen, um an Land zu kommen. Diese Technik ist einfach, aber nicht intuitiv.
Die städtische Umgebung verstärkt die Gefahr. Anders als an abgelegenen Naturstränden wiegen sich Touristen in einer falschen Sicherheit, weil die Zivilisation so nah ist. Sie ignorieren die Warnpfiffe der Rettungsschwimmer (Bombeiros) oder die subtilen Zeichen im Wasser, weil sie die unmittelbare Gefahr in einer so belebten Umgebung nicht erwarten. Das Unterschätzen dieser spezifischen ozeanografischen Phänomene ist daher weniger eine Frage der Arroganz als vielmehr eine des fehlenden Kontexts, den europäische Erfahrungen einfach nicht vermitteln können.
Die oberste Regel lautet daher: Beobachten Sie das Wasser vor dem Betreten mindestens zehn Minuten lang und halten Sie Ausschau nach den verräterischen Mustern, die auf eine Strömung hindeuten.
Warum ist Barra der einzige sichere Spot für Kitesurfer in Rio?
Auf den ersten Blick wirken die weiten Buchten von Copacabana und Ipanema wie ideale Orte zum Kitesurfen. Doch für Kitesurfer sind sie eine Falle, und der Grund dafür liegt an Land, nicht im Wasser. Die dichte Front von Hochhäusern und die nahegelegenen Hügel (Morros) erzeugen extreme Windturbulenzen und Windschatten. Der Wind, der vom Meer kommt, wird von den Gebäuden blockiert oder unkontrolliert verwirbelt. Ein Kiter kann in einem Moment vollen Druck im Schirm haben und im nächsten Moment in ein Windloch fallen, das den Kite vom Himmel fallen lässt. Diese plötzlichen Druckverluste sind extrem gefährlich und machen eine Kontrolle über den Kite unmöglich.
Barra da Tijuca, insbesondere der Abschnitt um den Posto 2 (Praia do Pepê), ist aus mehreren Gründen die Ausnahme. Erstens ist die Bucht offener und die Bebauung weiter vom Strand entfernt, was zu einem wesentlich konstanteren, „sauberen“ Wind führt. Es gibt keine abrupten Windabdeckungen, die den Kite gefährden könnten. Zweitens bietet der kilometerlange, breite Sandstrand ausreichend Platz zum sicheren Starten und Landen, ohne sofort von Menschenmassen oder Hindernissen umgeben zu sein. In Ipanema oder Copacabana ist die Dichte an Badegästen viel zu hoch, um sicher manövrieren zu können.
Die Infrastruktur spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. In Barra hat sich eine etablierte Kiteszene mit Schulen und Verleihmöglichkeiten gebildet. Das bedeutet nicht nur Zugang zu Material, sondern auch zu lokalem Wissen über die besten Windtage und spezifische Gegebenheiten. An den anderen Stränden fehlt diese Infrastruktur völlig, was ein klares Indiz dafür ist, dass die Bedingungen ungeeignet sind. Die Wahl für Barra ist also keine Frage der Vorliebe, sondern eine logische Konsequenz aus den physikalischen und sicherheitstechnischen Gegebenheiten.
| Spot | Windbedingungen | Sicherheit | Infrastruktur |
|---|---|---|---|
| Barra da Tijuca (Praia do Pepê) | Konstanter Südwestwind, 2-3 Tage/Woche | Offene Bucht, keine Hindernisse | Schulen, Verleih, Posto 2 als Treffpunkt |
| Copacabana | Windturbulenzen durch Hochhäuser | Gefährliche Windschatten | Kein Kite-Verleih |
| Ipanema | Unregelmäßiger Wind durch Hügel | Zu viele Badende | Keine Kite-Infrastruktur |
Für Kitesurfer in Rio gilt daher: Es gibt keine Alternative zu Barra da Tijuca. Jeder Versuch, an den berühmteren Stränden der Zona Sul zu kiten, ist ein unnötiges und hohes Risiko.
Wie sicher ist eine Kajaktour am Praia Vermelha für Anfänger?
Während die meisten Strände Rios für ihre kraftvollen Wellen bekannt sind, bietet die Bucht von Urca mit dem Praia Vermelha (Roter Strand) eine Oase der Ruhe und ist damit ein idealer und sicherer Ort für Anfänger im Kajak- oder Stand-Up-Paddling-Sport. Die Sicherheit dieses Ortes ergibt sich aus seiner einzigartigen geografischen Lage: Der Strand liegt tief in der Guanabara-Bucht, geschützt durch den berühmten Zuckerhut auf der einen und weitere massive Felsformationen auf der anderen Seite. Diese natürliche Barriere blockiert den Schwell des offenen Atlantiks fast vollständig, sodass das Wasser hier meist spiegelglatt ist, selbst wenn an der Copacabana hohe Wellen brechen.
Die Bedingungen sind hier so kontrolliert, dass lokale Anbieter geführte Touren anbieten, die auch für absolute Neulinge ohne Vorerfahrung geeignet sind. Eine typische Route führt vom Praia Vermelha entlang der Küste des Zuckerhuts und bietet spektakuläre Ausblicke aus einer Perspektive, die man vom Land aus nicht hat. Die Touren sind oft kurz und überschaubar; eine sichere 3-km-Route ist beispielsweise eine gängige Distanz, die ohne große Anstrengung zu bewältigen ist. Dies schafft ein Erfolgserlebnis und ermöglicht es, die beeindruckende Landschaft entspannt zu genießen.
Dennoch gibt es auch hier Sicherheitsaspekte zu beachten. Obwohl es keine Wellen gibt, kann der Wind ein Faktor sein. Besonders ablandiger Wind kann die Rückkehr zum Strand erschweren. Daher ist es ratsam, Touren in den frühen Morgenstunden zu planen, wenn der Wind in der Regel am schwächsten ist. Zudem ist das Tragen einer Schwimmweste, die von seriösen Verleihern immer zur Verfügung gestellt wird, auch in diesem ruhigen Gewässer obligatorisch. Eine noch stabilere Alternative zum Kajak ist das Canoa Havaiana (Auslegerkanu), das oft für Gruppen angeboten wird und praktisch unsinkbar ist. Für Anfänger, die das Meer erleben wollen, ohne sich den Wellen auszusetzen, ist Praia Vermelha somit die erste und beste Wahl in Rio.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kajaktour hier nicht nur sicher, sondern auch eine der schönsten Möglichkeiten ist, Rios berühmte Felsformationen aus nächster Nähe zu erleben.
Wie viel kostet ein Surfbrett pro Stunde und wo leihen Sie Qualität?
Die Kosten für den Verleih eines Surfbretts in Rio können stark variieren, doch der Preis sollte nicht das einzige Kriterium sein. Viel wichtiger ist die Qualität des Materials und vor allem der Standort des Verleihs. Ein billiges Brett an einem für Anfänger ungeeigneten Strand ist eine gefährliche Kombination. Die Preise bewegen sich grob zwischen R$ 60 und R$ 150 pro Tag, je nach Bretttyp und Verleihstation. Stundenweise Mieten sind ebenfalls möglich und oft eine gute Option für eine erste Schnupperstunde.
Der mit Abstand beste Ort, um als Anfänger oder Fortgeschrittener ein qualitativ hochwertiges Brett zu leihen, ist Arpoador. Dieser kleine Strandabschnitt zwischen Copacabana und Ipanema gilt als Geburtsort des Surfens in Brasilien und beherbergt einige der ältesten und renommiertesten Surfschulen der Stadt. Ein gutes Beispiel ist die Escola de Surf do Arpoador. Hier finden Sie nicht nur eine große Auswahl an Boards – von weichen Softboards für die ersten Versuche bis hin zu leistungsfähigeren Funboards für Fortgeschrittene – sondern auch erfahrene, oft zweisprachige Lehrer.
Der Vorteil von Arpoador liegt in den Wellen selbst: Sie sind in der Regel länger und sanfter als die schnellen, kraftvollen Wellen (Shorebreak) an anderen Strandabschnitten, was das Lernen erheblich erleichtert. Einen Verleih direkt hier zu wählen bedeutet, dass man das Brett nicht über heißen Sand und belebte Straßen schleppen muss. Man ist sofort am richtigen Ort. Während man an der Copacabana vielleicht billigere Angebote von fliegenden Händlern findet, ist die Qualität der Bretter dort oft mangelhaft (alte, beschädigte Boards) und die Wellenbedingungen sind für Anfänger meist ungeeignet.
| Leistung | Preis in R$ | Preis in € | Inklusive |
|---|---|---|---|
| 30 Minuten SUP | R$ 50 | ca. 9 € | Board + Paddel |
| 1 Stunde SUP | R$ 80 | ca. 15 € | Board + Paddel + Aufbewahrung |
| 1 Std. mit Unterricht | R$ 150 | ca. 28 € | Board + Lektion + Fotos |
| Surfboard Tagesmiete | R$ 60-150 | ca. 11-28 € | Je nach Qualität und Ort |
*Die Preise sind Richtwerte und können je nach Saison und Anbieter variieren. Umrechnungskurs Stand 2024.
Es lohnt sich, etwas mehr für ein gutes Brett an einem sicheren Ort wie Arpoador auszugeben, anstatt am falschen Ende zu sparen und die eigene Sicherheit zu riskieren.
Warum ist Bodyboarding die sicherste Alternative zum Wellenreiten?
Für viele europäische Besucher, die von den kraftvollen Wellen Rios eingeschüchtert sind, aber dennoch das Gefühl des Wellenreitens erleben möchten, ist Bodyboarding nicht nur eine Alternative, sondern oft die überlegene Wahl. Der Hauptgrund liegt in der Physik und der Ausrüstung. Beim Bodyboarding liegt der Sportler auf dem Brett, was den Schwerpunkt drastisch senkt. Dies sorgt für eine immense Stabilität und macht es viel einfacher, das Gleichgewicht in der Welle zu halten. Stürze (Wipeouts) sind unvermeidlich, aber sie sind beim Bodyboarding weitaus weniger gefährlich.
Wie eine Sicherheitsanalyse brasilianischer Surfexperten hervorhebt, spielt das Material eine entscheidende Rolle für die Sicherheit:
Der niedrigere Schwerpunkt und das weiche, flexible Brett machen Stürze (Wipeouts) weniger gefährlich. Die Leash am Handgelenk statt am Knöchel verringert das Risiko, vom eigenen Brett getroffen zu werden.
– Brasilianische Surfschule, Sicherheitsanalyse Wassersport Rio
Ein weiterer entscheidender Sicherheitsaspekt ist die Leash (die Leine, die das Brett mit dem Sportler verbindet). Beim Bodyboard wird sie am Handgelenk befestigt, nicht am Knöchel wie beim Surfen. Dies hat zwei Vorteile: Man kann das Brett im Falle eines Sturzes schneller kontrollieren und von sich wegdrücken. Zudem ist das Risiko, von der Welle erfasst und vom eigenen, harten Surfbrett am Kopf getroffen zu werden – eine der häufigsten Verletzungen beim Wellenreiten – praktisch eliminiert, da das Bodyboard klein, weich und über das Handgelenk kontrollierbar ist.
Darüber hinaus ist Bodyboarding in Brasilien kein „Anfängersport“, sondern eine hoch angesehene Disziplin. Wie Berichte über die brasilianische Wassersportszene zeigen, hat das Land einige der weltbesten Bodyboarder hervorgebracht. Die Kultur ist besonders an Stränden mit kräftigem Shorebreak (direkt am Ufer brechende Wellen) wie dem Praia do Diabo ausgeprägt. Sich für Bodyboarding zu entscheiden, ist also keine Kapitulation vor der Welle, sondern eine intelligente und authentische Anpassung an die lokalen Bedingungen, die von den Einheimischen respektiert wird.
Die Lernkurve ist extrem steil, und das Erfolgserlebnis, eine Welle abzureiten, stellt sich oft schon innerhalb der ersten Stunde ein – ein Motivationsschub, den das technisch anspruchsvolle Wellenreiten selten bietet.
Warum ist das Baden direkt am Felsen von Arpoador oft lebensgefährlich?
Der Felsen von Arpoador ist weltberühmt für seine spektakulären Sonnenuntergänge. Viele Touristen sehen, wie Einheimische von den Felsen ins Wasser springen oder in ihrer unmittelbaren Nähe schwimmen, und wollen es ihnen gleichtun. Dies ist jedoch extrem gefährlich und ein klassisches Beispiel dafür, wie die Nachahmung ohne Verständnis zu schweren Unfällen führen kann. Das Hauptproblem ist der sogenannte „Refluxo“, eine starke Rücklaufströmung. Wenn große Wellen gegen die starre Felswand krachen, wird das Wasser mit enormer Kraft zurück ins Meer geschleudert. Diese Strömung ist kurz, aber heftig, und kann selbst exzellente Schwimmer unter Wasser drücken oder gegen die scharfkantigen Felsen schleudern.
Einheimische, die in dieser Zone schwimmen, kennen die Strömungsmuster und die Gezeiten millimetergenau. Sie nutzen winzige Zeitfenster zwischen den Wellensets und wissen, wo sich unter der Oberfläche sichere, sandige Stellen befinden. Ein Tourist kann diese subtilen Unterschiede nicht erkennen und springt möglicherweise genau in dem Moment, in dem eine starke Welle auf einen scharfkantigen, unter der Oberfläche verborgenen Felsen trifft. Es gibt keinen sicheren Weg, diese Gefahr zu umgehen, außer sie komplett zu meiden.
Der sichere Zugang zum Wasser befindet sich stattdessen links vom Felsen, am eigentlichen Sandstrand von Arpoador. Hier ist der Meeresboden sandig, und die Wellen brechen sanfter. Selbst hier ist Vorsicht geboten, aber die primäre Gefahr der Rücklaufströmung an den Felsen ist eliminiert. Die goldene Regel ist, die Einheimischen nicht nur zu beobachten, was sie tun, sondern auch, wo sie es tun. Sie werden feststellen, dass die große Mehrheit der Schwimmer einen respektvollen Abstand zu den Felsen hält.
Checkliste: Sicheres Verhalten am Felsen von Arpoador
- Gefahrenzone meiden: Niemals direkt an den Felsen schwimmen oder von ihnen springen. Nutzen Sie immer den Sandstrand links davon.
- Einheimische beobachten: Folgen Sie den Routen der erfahrenen lokalen Schwimmer ins Wasser und halten Sie denselben Abstand zu den Felsen.
- Wellenstärke prüfen: Meiden Sie die Nähe der Felsen bei starkem Wellengang und hoher Flut komplett. Die Kraft des Wassers wird unberechenbar.
- Genießen, nicht riskieren: Bewundern Sie den Sonnenuntergang vom Felsen aus, aber bleiben Sie dabei aus dem Wasser. Die Show ist an Land am sichersten.
- Notfallwissen (Refluxo): Sollten Sie dennoch von einer Rücklaufströmung erfasst werden, schwimmen Sie sofort seitlich weg von den Felsen, nicht gegen die Strömung an.
Der Felsen ist ein Ort zum Schauen und Staunen, nicht zum leichtsinnigen Baden. Respektieren Sie diese unsichtbare Grenze zwischen Land und Meer.
Wie lesen Sie die wöchentlichen Berichte des Umweltinstituts INEA richtig?
Ein Aspekt, der von Touristen oft völlig ignoriert wird, ist die Wasserqualität, die in Rio de Janeiro stark schwanken kann. Das Baden in verschmutztem Wasser kann zu Magen-Darm-Erkrankungen, Hautausschlägen und anderen Infektionen führen. Rios Abwassersystem ist notorisch überlastet; laut einer Studie funktionieren bis zu 50% der Kläranlagen im Großraum Rio nur eingeschränkt oder gar nicht. Dies bedeutet, dass insbesondere nach starken tropischen Regenfällen große Mengen unbehandelter Abwässer ins Meer gespült werden.
Um die Badegäste zu schützen, veröffentlicht das staatliche Umweltinstitut INEA (Instituto Estadual do Ambiente) wöchentlich einen Bericht (Boletim de Balneabilidade) über die Wasserqualität an den Stränden. Diesen Bericht online zu finden und richtig zu interpretieren, ist eine entscheidende Sicherheitsmaßnahme. Auf der Website des INEA oder in lokalen Nachrichten-Apps werden die Strände mit Flaggen oder Symbolen markiert:
- Própria (geeignet): Das Wasser ist zum Baden unbedenklich. Dies wird oft durch eine blaue oder grüne Flagge am Strand angezeigt.
- Imprópria (ungeeignet): Das Wasser ist bakteriell belastet und das Baden wird nicht empfohlen. Die entsprechende Flagge am Strand ist rot.
Die wichtigste Regel lautet: Meiden Sie das Meer für 24 bis 48 Stunden nach heftigen Regenfällen, selbst wenn der Strand als „própria“ markiert ist. Die Tests des INEA liefern eine Momentaufnahme, aber die größte Verschmutzungswelle erreicht die Küste oft mit einer gewissen Verzögerung. Besonders anfällig sind die geschützteren Bereiche der Strände wie das Ufer von Botafogo und Flamengo, aber auch an Copacabana und Ipanema kann die Qualität temporär schlecht sein. Aktivitäten mit geringerem Wasserkontakt wie Stand-Up-Paddling sind in solchen Zeiten weniger riskant als Schwimmen, bei dem man leicht Wasser schluckt. Ein kurzer Blick auf den INEA-Bericht vor dem Strandbesuch sollte zur Routine gehören wie das Auftragen von Sonnencreme.
Indem Sie die offiziellen Empfehlungen befolgen, schützen Sie sich effektiv vor unsichtbaren Gesundheitsrisiken im Wasser.
Das Wichtigste in Kürze
- Lokales Wissen schlägt Fitness: Die größten Gefahren in Rios Wellen sind unsichtbar (Strömungen, Windlöcher). Ihre Fähigkeit, diese zu erkennen, ist wichtiger als Ihre Schwimmstärke.
- Jeder Spot hat sein eigenes Gesetz: Ein für Surfer perfekter Strand kann für Kiter eine Todesfalle sein. Pauschale Empfehlungen sind gefährlich; die Wahl muss ortsspezifisch sein.
- Intelligente Alternativen sind kein Rückschritt: Die Entscheidung für Bodyboarding oder SUP in ruhigen Buchten ist keine Schwäche, sondern eine kluge Anpassung an die Bedingungen und wird auch von Einheimischen praktiziert.
Wo finden Sie ruhiges Wasser für Stand-Up-Paddling in der Wellenstadt Rio?
Rio de Janeiro ist als Stadt der Wellen bekannt, doch sie bietet auch überraschend ruhige Gewässer, die perfekt für Stand-Up-Paddling (SUP) geeignet sind – selbst für absolute Anfänger. Wer dem Trubel und der Kraft des offenen Ozeans entfliehen möchte, findet zwei herausragende Oasen der Ruhe. Der bereits erwähnte Praia Vermelha in Urca ist die erste Wahl. Durch den Schutz des Zuckerhuts ist die Bucht fast immer spiegelglatt und bietet eine atemberaubende Kulisse. Hier kann man entspannt paddeln, die Grundlagen lernen und die Aussicht auf die berühmten Felsformationen und die Christusstatue in der Ferne genießen.
Die zweite, noch ruhigere Alternative ist die Lagoa Rodrigo de Freitas. Dieser riesige Süßwassersee im Herzen der Zona Sul ist komplett von Wellen und Strömungen abgeschirmt. Hier zu paddeln ist so sicher wie auf einem heimischen Badesee, aber mit einem unbezahlbaren Panorama. Man gleitet über das Wasser mit direktem Blick auf die Christusstatue und die umliegenden grünen Berge. Mehrere Verleihstationen rund um den See bieten Boards und Unterricht an. Die Lagoa ist der perfekte Plan B, wenn der Wind am Meer zu stark ist oder man einfach nur eine entspannte Trainingseinheit ohne jegliches Risiko absolvieren möchte.
Für fortgeschrittene Paddler, die ein kleines Abenteuer suchen, gibt es eine dritte Option: eine Tour zu den Ilhas Tijucas. Diese kleinen, unbewohnten Felseninseln liegen direkt vor der Küste von Barra da Tijuca. Die Überfahrt auf dem offenen Meer erfordert etwas mehr Erfahrung und sollte nur bei ruhigen Bedingungen und idealerweise mit einem Guide unternommen werden. Die Belohnung ist kristallklares Wasser, eine reiche Meeresfauna und das Gefühl, dem Trubel der Stadt für einen Moment komplett entkommen zu sein. Diese drei Spots zeigen, dass Rio für jeden Paddel-Typ etwas zu bieten hat – von der absoluten Sicherheit der Lagoa bis zum kleinen Abenteuer auf dem offenen Meer.
Die Kunst besteht darin, nicht irgendeinen Ort zu wählen, sondern den richtigen Ort für das gewünschte Erlebnis und das eigene Können.
Häufig gestellte Fragen zu Wasserqualität in Rio de Janeiro
Was bedeutet ‚Imprópria‘ bei der Wasserqualität?
„Imprópria“ bedeutet „ungeeignet“. Wenn ein Strandabschnitt so markiert ist, ist das Wasser bakteriell belastet und das Baden wird aus gesundheitlichen Gründen nicht empfohlen. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Probleme oder Hautinfektionen.
Wann ist das Wasser am stärksten belastet?
Die Wasserqualität ist in der Regel in den 24 bis 48 Stunden nach starken, tropischen Regengüssen am schlechtesten. In dieser Zeit werden Verschmutzungen von der Stadt und aus den Abwassersystemen direkt ins Meer gespült.
Welche Aktivitäten haben das höchste Risiko?
Schwimmen und jede Aktivität, bei der man wahrscheinlich Wasser schluckt, bergen das höchste Risiko. Wassersportarten wie Stand-Up-Paddling oder Kajakfahren, bei denen der Körperkontakt mit dem Wasser geringer ist, gelten in Zeiten zweifelhafter Wasserqualität als weniger riskant.