Veröffentlicht am März 15, 2024

Ein Favela-Besuch ist kein Sightseeing, sondern eine Begegnung. Es geht nicht darum, was Sie sehen, sondern wie Sie gesehen werden und welchen sozialen Fußabdruck Sie hinterlassen.

  • Voyeuristische Jeep-Touren isolieren Sie; von Bewohnern geführte Walking-Touren schaffen Verbindung und fördern die Gemeinschaft.
  • Fotografieren Sie niemals Menschen ohne ausdrückliche Erlaubnis – Respekt vor der Privatsphäre ist der wichtigste kulturelle Code.

Empfehlung: Suchen Sie gezielt nach Touren, die von Anwohnern geleitet werden und nachweislich einen Teil ihrer Einnahmen in lokale soziale Projekte reinvestieren.

Viele Reisende, die nach Rio kommen, tragen ein widersprüchliches Bild im Kopf: die atemberaubende Schönheit des Zuckerhuts auf der einen Seite, die Geschichten von Gewalt und Armut in den Favelas auf der anderen. Der Wunsch, „das echte Rio“ zu sehen, ist verständlich. Doch dieser Wunsch führt oft in die Falle des „Armuts-Tourismus“. Man bucht eine Jeep-Tour, fühlt sich wie in einem Zoo, fotografiert bunte Häuser aus sicherer Entfernung und geht mit dem Gefühl, etwas gewagt zu haben – ohne wirklich etwas verstanden zu haben. Man hat konsumiert, aber nichts ausgetauscht.

Dieser Ansatz ist nicht nur respektlos, er verstärkt auch die Stigmata, die wir eigentlich abbauen wollen. Er behandelt die Bewohner und ihre Lebensrealität als Kulisse. Aber was wäre, wenn Ihr Besuch kein Konsumakt, sondern ein Akt der Begegnung wäre? Wenn es nicht darum ginge, was Sie sehen, sondern welchen sozialen Fußabdruck Sie hinterlassen? Die wahre Frage ist nicht, *ob* man eine Favela besuchen sollte, sondern *wie*. Es geht darum, vom voyeuristischen Touristen zum respektvollen Gast zu werden, der bereit ist, zuzuhören, zu lernen und die lokale Gemeinschaft zu unterstützen.

Dieser Guide wurde aus der Perspektive der Gemeinschaft geschrieben. Er will Ihnen keinen Schrecken einjagen, sondern Ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, um eine bedeutungsvolle und positive Erfahrung zu machen. Wir werden die respektlosen Praktiken aufdecken, Ihnen zeigen, wie Sie echte, von der Gemeinschaft getragene Initiativen erkennen, die ungeschriebenen sozialen Regeln erklären und Ihnen sogar einen Einblick in die pulsierende Kultur des Baile Funk geben.

Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Aspekte eines verantwortungsvollen Favela-Besuchs. Die folgende Übersicht gibt Ihnen einen schnellen Zugang zu den Themen, die Sie am meisten interessieren.

Warum sind Jeep-Touren oft respektlos und welche Walking-Touren unterstützen die Gemeinde?

Die Wahl der Tour-Art ist die wichtigste Entscheidung, die Sie treffen. Sie definiert von Anfang an Ihre Rolle: Sind Sie ein Beobachter hinter Glas oder ein Gast auf Augenhöhe? Jeep-Touren, die oft als „Safari“ vermarktet werden, schaffen eine physische und soziale Barriere. Sie sitzen erhöht, fahren schnell durch die Gassen und reduzieren die Bewohner auf Fotomotive. Dieses Modell fördert Voyeurismus und hinterlässt kaum Geld in der Gemeinschaft, da es oft von externen großen Agenturen betrieben wird. Es ist die Definition eines negativen sozialen Fußabdrucks.

Im Gegensatz dazu stehen Walking-Touren, die von Bewohnern oder in der Favela ansässigen Kollektiven geführt werden. Hier bewegen Sie sich zu Fuß, in kleinen Gruppen, und erleben die Gemeinschaft aus nächster Nähe. Der entscheidende Vorteil ist der Guide: Eine Person, die dort aufgewachsen ist, kennt nicht nur die Wege, sondern auch die Geschichten, die Herausforderungen und die Erfolge. Sie kann den Kontext liefern, den ein Jeep-Fahrer niemals geben kann. Diese Touren stellen sicher, dass Ihr Geld direkt in die Gemeinschafts-Ökonomie fließt und lokale Projekte unterstützt. Sie ermöglichen echten Blick-Kontakt statt Objektiv.

Kleine Gruppe von Touristen beim respektvollen Spaziergang durch enge Gassen einer Favela mit lokalem Guide

Achten Sie darauf, eine Tour zu wählen, die Transparenz über die Verwendung der Einnahmen bietet. Gute Anbieter erklären offen, welcher Prozentsatz in Bildungs-, Kunst- oder Infrastrukturprojekte innerhalb der Favela fließt. In Rios Favelas leben laut aktuellen Daten fast ein Viertel der Stadtbevölkerung; verantwortungsvoller Tourismus kann hier einen echten Unterschied machen.

Ihre Checkliste für eine respektvolle Tour

  1. Herkunft des Guides prüfen: Stellen Sie sicher, dass der Guide in der Favela lebt oder dort aufgewachsen ist.
  2. Nach lokalen Projekten fragen: Erkundigen Sie sich, welcher Anteil der Einnahmen direkt in die Gemeinschaft reinvestiert wird.
  3. Transportmittel wählen: Meiden Sie Jeep-Touren und bevorzugen Sie immer Walking-Touren in kleinen Gruppen (maximal 8-10 Personen).
  4. Betreiber verifizieren: Wird die Tour von einer lokalen Kooperative oder einem großen externen Unternehmen angeboten?
  5. Tour-Philosophie verstehen: Verspricht die Tour „Abenteuer“ und „Gefahr“ oder „Begegnung“ und „Kultur“? Wählen Sie Letzteres.

Warum dürfen Sie in einer Favela niemals ungefragt Fotos von Menschen machen?

Dies ist der wichtigste kulturelle Code, den Sie verstehen müssen. Das Verbot, Menschen ohne Erlaubnis zu fotografieren, ist mehr als eine Frage der Höflichkeit – es ist eine Frage von Respekt, Sicherheit und Würde. Die Bewohner einer Favela sind keine Dekoration für Ihr Urlaubs-Album. Ihr Alltag, ihre Häuser und ihre Kinder sind privat. Ungefragt eine Kamera auf sie zu richten, ist zutiefst objektivierend und entmenschlichend. Es signalisiert: „Deine Person ist für mich nur ein Motiv.“

Darüber hinaus gibt es einen ernsten Sicherheitsaspekt. In vielen Favelas gibt es komplexe soziale Hierarchien und informelle Regeln, die oft von Drogenfraktionen durchgesetzt werden. Das Fotografieren kann als Spionage missverstanden werden – sei es durch rivalisierende Gruppen oder die Polizei. Sie wissen nie, wen oder was Sie versehentlich aufnehmen. Eine bekannte Reisebloggerin fasst diese ungeschriebene Regel treffend zusammen:

Solange du kein Foto davon machst, wird es ihnen egal sein, dass du es gesehen hast.

– Charlie on the Move, Reiseblog über Favela-Besuch in Vidigal

Das bedeutet nicht, dass Fotografie komplett verboten ist. Wunderschöne Panoramen von Aussichtspunkten sind meist unproblematisch. Wenn Sie ein Porträt machen möchten, fragen Sie die Person direkt und respektvoll. Ein Lächeln und ein „Posso tirar uma foto?“ (Darf ich ein Foto machen?) öffnen Türen. Wenn die Person ablehnt, akzeptieren Sie das ohne Diskussion. Der Fokus sollte immer auf der menschlichen Interaktion liegen. Ein Gespräch ist wertvoller als jedes Bild.

Fallbeispiel: WikiMapa – Die Gemeinschaft kartiert sich selbst

Ein starkes Gegenbeispiel zur ausbeuterischen Fotografie ist das Projekt WikiMapa. Hier haben sich Bewohner, wie die 23-jährige Dandara Couto Rodrigues, zusammengeschlossen, um ihre eigene Gemeinschaft zu dokumentieren. Mit GPS-Handys fotografieren sie wichtige Orte, Geschäfte und Kunstwerke und laden sie auf eine kollaborative Online-Karte hoch. Über 700 Freiwillige haben Tausende von Details kartiert. Dieses Projekt zeigt, wie die Bewohner die Kontrolle über ihr eigenes Narrativ zurückgewinnen und ihre Welt mit Stolz selbst darstellen, anstatt von Außenstehenden objektiviert zu werden.

Welche Favela bietet den besten Einblick und die sicherste Infrastruktur für Touristen?

Nicht alle Favelas sind für touristische Besuche geeignet. Einige sind aufgrund von andauernden Konflikten zwischen Drogenbanden und der Polizei schlicht zu gefährlich. Andere haben keine touristische Infrastruktur. Drei Favelas haben sich jedoch als relativ sicher und zugänglich für verantwortungsvollen Tourismus etabliert: Santa Marta, Vidigal und Rocinha. Jede bietet eine einzigartige Perspektive.

Santa Marta im Stadtteil Botafogo gilt als eine der sichersten Optionen. Sie war die erste Favela, die 2008 im Rahmen des Befriedungsprogramms (UPP) eine permanente Polizeistation erhielt. Sie ist berühmt für die Michael-Jackson-Statue (er drehte hier Teile seines Videos „They Don’t Care About Us“) und eine Seilbahn, die den Aufstieg erleichtert. Ihre bunten Häuser bieten fantastische Fotomotive mit dem Zuckerhut im Hintergrund.

Panoramablick auf die bunten Häuser der Santa Marta Favela mit Christusstatue im Hintergrund

Vidigal ist bei Künstlern und jungen Leuten beliebt. Der Hauptanziehungspunkt ist die Wanderung zum Gipfel des Morro Dois Irmãos (Zwei-Brüder-Felsen), die einen der spektakulärsten Ausblicke auf Rio bietet. Die Favela selbst hat viele Bars mit Aussicht, Hostels und Kunstprojekte. Der Vibe ist entspannter und stärker touristisch geprägt als in anderen Favelas.

Rocinha ist die größte Favela Brasiliens und eine der größten in Lateinamerika. Ihre schiere Größe und Komplexität ist überwältigend. Trotz ihrer Größe gibt es hier seit 2002 etablierte Walking-Touren. Ein Besuch in Rocinha bietet einen tiefen Einblick in eine funktionierende Stadt innerhalb der Stadt, mit eigenen Banken, Geschäften und einem pulsierenden Leben. Wie eine deutsche Touristin auf TripAdvisor berichtet: „Wir waren … mit Ray in der größten Favela in Rio, es war eine wirklich schöne Erfahrung mit einer Führerin, die selbst in dieser Favela lebt. … Diese Tour wird Ihre Sicht auf Rio komplett verändern.“

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.

Vergleich der touristischen Favelas in Rio
Favela Besonderheit Einwohnerzahl Touristische Infrastruktur
Santa Marta Michael Jackson Statue, Seilbahn 6.000 Modell für Befriedungsprogramm
Vidigal Wanderung zum Morro Dois Irmãos k.A. Bars mit Aussicht, Kunstprojekte
Rocinha Größte Favela Lateinamerikas 70.000-1 Million Etablierte Walking-Touren seit 2002

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Geld für Essen und Souvenirs bei den Bewohnern bleibt?

Ihr Geldbeutel ist ein mächtiges Werkzeug, um eine positive Wirkung zu erzielen. Einer der größten Fehler ist es, eine Tour zu machen und dann außerhalb der Favela zu essen oder Souvenirs zu kaufen. Das Ziel ist es, die lokale Gemeinschafts-Ökonomie direkt zu unterstützen. Favelas sind keine reinen Wohngebiete; sie sind pulsierende Mikrokosmen mit unzähligen kleinen Unternehmen, von Restaurants über Handwerksläden bis hin zu Bars.

Wenn Sie während Ihrer Tour hungrig werden, fragen Sie Ihren Guide nach einem „Botequim“ (einer kleinen, familiengeführten Bar) oder einem Ort, der „Comida Caseira“ (hausgemachtes Essen) anbietet. Hier bekommen Sie nicht nur authentisches brasilianisches Essen zu einem fairen Preis, sondern Ihr Geld geht auch direkt an eine lokale Familie. Vermeiden Sie Restaurants, die offensichtlich auf Touristenmassen ausgerichtet sind.

Das Gleiche gilt für Souvenirs. Anstatt generische Souvenirs in Copacabana zu kaufen, suchen Sie nach Kunsthandwerker-Kooperativen innerhalb der Favela. Oft sind dies von Frauen geführte Projekte, die wunderschöne, handgefertigte Produkte verkaufen. Fragen Sie Ihren Guide gezielt danach. Viele Künstler verkaufen ihre Werke auch direkt aus ihren Ateliers. Der Kauf direkt vom Künstler ist die reinste Form der Unterstützung. Halten Sie Ausschau nach Schildern und fragen Sie aktiv nach. Viele Straßenverkäufer und kleine Läden nutzen mittlerweile das brasilianische PIX-Zahlungssystem, bei dem Sie einfach einen QR-Code scannen können – eine einfache und sichere Methode, bargeldlos zu bezahlen.

Die wirtschaftliche Bedeutung solcher lokalen Kreisläufe ist immens. Eine Fotodokumentation über die Favela-Kultur zeigt beispielsweise, dass früher Tausende von Familien allein vom Einkommen der wöchentlichen Baile Funk Partys lebten. Jeder Real, den Sie in der Gemeinschaft ausgeben, trägt zur wirtschaftlichen Stabilität und Unabhängigkeit bei.

Wie sicher ist die Fahrt mit dem „Moto-Taxi“ den steilen Berg hinauf?

In vielen steileren Favelas wie Vidigal oder Rocinha ist das „Moto-Taxi“ das primäre öffentliche Verkehrsmittel. Für ein paar Reais (normalerweise 5-10 BRL) fahren Sie als Sozius auf einem Motorrad die engen, steilen Gassen hinauf, wo Autos nicht hinkommen. Für viele Besucher ist dies ein aufregender, wenn auch etwas nervenaufreibender Teil des Erlebnisses. Doch wie sicher ist es wirklich?

Die größte Gefahr geht weniger von der Fahrweise der Fahrer aus – die ihre Strecken im Schlaf kennen – als vom allgemeinen Verkehr. Die Fahrer navigieren geschickt durch ein Labyrinth aus Menschen, anderen Motorrädern und Lieferwagen. Die Fahrt ist schnell und erfordert, dass Sie sich in den Kurven mit dem Fahrer neigen. Es ist ratsam, den angebotenen Helm immer zu tragen und sich gut am Fahrer oder den dafür vorgesehenen Griffen festzuhalten. Die Fahrer sind Profis und ein wichtiger Teil des sozialen und wirtschaftlichen Gefüges. Sie sind oft seit Jahren in der Favela tätig, kennen jeden Winkel und gewährleisten die Mobilität der Bewohner.

Die Moto-Taxis sind mehr als nur ein Transportmittel; sie sind ein Symbol für die informelle Ökonomie und die Selbstorganisation der Gemeinschaft. Sie zu nutzen bedeutet auch, diesen lokalen Wirtschaftszweig zu unterstützen. Die meisten Touren beinhalten eine Fahrt mit dem Moto-Taxi den Berg hinauf und einen Spaziergang zurück nach unten. Dies ist eine gute Kombination, da der Aufstieg zu Fuß sehr anstrengend sein kann, während der Abstieg Ihnen Zeit gibt, die Umgebung in Ruhe zu betrachten. Vertrauen Sie Ihrem Guide und den Fahrern; für sie ist dies tägliche Routine.

Der Fehler, zu Fuß von einem sicheren Viertel in ein unsicheres zu wechseln

Eine der gefährlichsten Annahmen, die ein uninformierter Tourist treffen kann, ist, dass die Grenzen zwischen Rios Vierteln fließend sind. Man kann nicht einfach von einem wohlhabenden Viertel wie Ipanema oder Copacabana in eine angrenzende Favela spazieren. Diese unsichtbaren Grenzen sind real und werden oft von den Drogenfraktionen kontrolliert. Als Fremder, der ohne Begleitung eines Bewohners auftaucht, werden Sie sofort als potenzielles Ziel oder als Bedrohung identifiziert.

Diese Zonen sind nicht auf Karten markiert. Eine Straße kann auf der einen Seite sicher und auf der anderen Seite extrem gefährlich sein. Zu versuchen, eine Favela „auf eigene Faust“ zu erkunden, ist nicht nur naiv, sondern lebensgefährlich. Sie kennen die Codes nicht, Sie wissen nicht, welche Gebiete zu meiden sind, und Ihre bloße Anwesenheit kann als Provokation gewertet werden. Ein wichtiger Sicherheitsratgeber für Rio warnt daher eindringlich davor, Favelas jemals allein zu betreten.

Betreten Sie niemals Favelas allein! Als Nicht-Bewohner fallen Sie sofort auf. Nehmen Sie an einer geführten Tour teil, wenn Sie sich für das Leben in einer Favela interessieren.

– The Happy Jetlagger, Sicherheitsratgeber Rio de Janeiro

Die einzige sichere und respektvolle Methode, eine Favela zu betreten, ist in Begleitung eines Bewohners oder im Rahmen einer anerkannten, von der Gemeinschaft geführten Tour. Ihr Guide fungiert als Ihr „Passierschein“. Seine Anwesenheit signalisiert, dass Sie ein willkommener Gast sind und keine Bedrohung darstellen. Versuchen Sie niemals, Geld zu sparen, indem Sie diesen entscheidenden Schritt überspringen. Ihre Sicherheit und das Wohl der Gemeinschaft hängen davon ab.

Warum hat der Funk den Samba als Stimme der Jugend in den Favelas abgelöst?

Während Samba die traditionelle Seele Brasiliens repräsentiert, ist der Funk Carioca (oder Baile Funk) der ungeschliffene, pochende Herzschlag der Jugend in den Favelas von Rio. Seine Geschichte ist tief in der sozialen Realität der Gemeinschaften verwurzelt. Entstanden in den 1980er Jahren aus dem Miami Bass, entwickelte sich der Funk schnell zu einem eigenen Genre. Er wurde zum Soundtrack des Lebens in der Favela und bot ein Ventil für die Frustrationen und Hoffnungen einer ganzen Generation.

Im Gegensatz zum oft romantisierten Samba sind die Texte des Funk direkt, roh und oft explizit. Sie behandeln Themen, die den Alltag prägen: Armut, Polizeigewalt, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, aber auch Stolz, Sexualität und die Feier des Lebens. Der harte, repetitive Beat ist hypnotisch und energiegeladen – eine Einladung zum Tanz und zur Katharsis. Für viele Jugendliche ist Funk eine Form der Selbstermächtigung und eine Möglichkeit, ihre eigene Geschichte zu erzählen, abseits der von den Mainstream-Medien gezeichneten Bilder.

Die NZZ hebt in einer Analyse hervor, wie Baile Funk die globale Pop-Musik beeinflusst, wobei Künstlerinnen wie Anitta die Ästhetik des Funk in den globalen Mainstream tragen. Sie mögen die Beats glätten, aber die provokante Haltung und die oft derben Texte bleiben erhalten, ein Beweis für die kulturelle Kraft des Genres. In den 1990er Jahren wurde Funk Carioca zu einem Massenphänomen in ganz Brasilien und ist heute ein unüberhörbarer Teil der brasilianischen Musiklandschaft. Samba ist das Erbe, aber Funk ist die Gegenwart und die Zukunft der musikalischen Ausdrucksform in den Favelas.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wählen Sie immer von Bewohnern geführte Walking-Touren statt anonymer Jeep-Touren, um die Gemeinschaft direkt zu unterstützen.
  • Ihr Geld ist ein Werkzeug: Kaufen Sie Essen und Kunsthandwerk direkt bei lokalen, familiengeführten Unternehmen in der Favela.
  • Respektieren Sie die Privatsphäre als oberstes Gebot: Machen Sie niemals Fotos von Menschen ohne deren ausdrückliche und vorherige Erlaubnis.

Wie erleben Sie den „Baile Funk“ sicher und was steckt hinter dem harten Beat?

Einen authentischen „Baile Funk“ zu erleben, ist eine der intensivsten kulturellen Erfahrungen, die Rio zu bieten hat. Diese Partys sind laut, chaotisch, sexuell aufgeladen und absolut mitreißend. Sie sind das Herz der Jugendkultur in den Favelas. Doch ein Besuch erfordert Vorbereitung und strikte Einhaltung von Sicherheitsregeln. Die wichtigste Regel ist: Gehen Sie niemals allein und nur in Begleitung eines vertrauenswürdigen lokalen Bewohners, dem Sie absolut vertrauen.

Es ist entscheidend, zwischen zwei Arten von Bailes zu unterscheiden. Besuchen Sie ausschließlich einen „Baile de Comunidade“, eine von der Gemeinschaft organisierte Party. Vermeiden Sie unter allen Umständen einen „Baile de Facção“, der direkt von einer Drogenfraktion veranstaltet wird und oft als Machtdemonstration dient. Ihr lokaler Begleiter wird den Unterschied kennen. Verhalten Sie sich während der Party zurückhaltend. Machen Sie keine Fotos oder Videos, es sei denn, Ihr Begleiter gibt Ihnen ausdrücklich die Erlaubnis. Kleiden Sie sich einfach und lassen Sie alle Wertsachen im Hotel. Der Fokus liegt auf dem Tanzen und der Musik, nicht auf Selbstdarstellung.

Die Geschichte des Funk ist von Konflikten geprägt. Aufgrund von Gewalt und Ausschreitungen, die oft von der Polizei provoziert wurden, wurde die Szene 1992 sogar zeitweise verboten. Heute gibt es auch sicherere Alternativen außerhalb der Favelas, wie die berühmte Party „Baile da Favorita“ im Ausgehviertel Lapa, die zwar kommerzieller, aber eine gute Option ist, um die Musik ohne Sicherheitsrisiken zu erleben. Für die authentische Erfahrung in einer Favela gelten jedoch folgende Richtlinien:

  • Besuchen Sie NUR „Baile de Comunidade“, niemals „Baile de Facção“.
  • Gehen Sie ausschließlich in Begleitung eines vertrauenswürdigen lokalen Bewohners.
  • Als Alternative können Sie sichere Funk-Events wie „Baile da Favorita“ in Lapa besuchen.
  • Machen Sie keine Fotos während der Party ohne explizite Erlaubnis.
  • Ein bekannter, regelmäßiger Baile Funk findet sonntags in Rocinha statt – aber auch hier gilt: nur mit lokalem Kontakt.

Indem Sie diese Ratschläge befolgen, verwandeln Sie Ihren Besuch von einer passiven Besichtigung in eine aktive, bereichernde Erfahrung. Sie zeigen Respekt, unterstützen die lokale Wirtschaft und tragen dazu bei, die negativen Stereotypen über das Leben in den Favelas abzubauen. Ihr nächster Schritt ist nicht nur, eine Tour zu buchen, sondern bewusst den Anbieter zu wählen, der Ihre Werte von Respekt und Unterstützung teilt. Werden Sie Teil der Lösung, nicht des Problems.

Häufig gestellte Fragen zum Favela-Besuch

Wie gefährlich ist die Fahrt mit dem Moto-Taxi wirklich?

Die größte Gefahr ist weniger der Fahrer als der dichte Verkehr auf den Hauptstraßen der Favela. Die Fahrer sind extrem erfahren auf ihren Strecken. Es ist üblich, mit dem Mototaxi hinaufzufahren und zu Fuß hinunterzugehen. Beide Wege erfordern Aufmerksamkeit, aber die Fahrt mit dem Moto-Taxi ist ein etablierter Teil des Alltags.

Welche Sicherheitsmaßnahmen sollte man beim Moto-Taxi beachten?

Tragen Sie immer den angebotenen Helm, auch wenn es heiß ist. Halten Sie sich entweder am Fahrer oder an den dafür vorgesehenen Griffen am Motorrad fest. Es ist wichtig, sich in den Kurven mit dem Fahrer zu neigen, um das Gleichgewicht zu halten.

Was kostet eine typische Fahrt mit dem Moto-Taxi?

Es gibt in der Regel feste Tarife für die Standardstrecken, beispielsweise vom Fuße der Favela bis zu einem höheren Punkt. Eine solche Fahrt kostet normalerweise zwischen 5 und 10 brasilianischen Reais (BRL).

Geschrieben von Felix Zimmermann, Kulturjournalist und Musiker, wohnhaft im Künstlerviertel Santa Teresa. Experte für brasilianische Musikgeschichte, Nachtleben, Karnevalskultur und soziokulturelle Hintergründe der Favelas.