Veröffentlicht am März 15, 2024

Die eigenständige Erkundung des Tijuca-Waldes ist sicherer und lohnender als jede Tour, vorausgesetzt, Sie tauschen touristische Naivität gegen das Bewusstsein eines Rangers.

  • Verzichten Sie konsequent auf Wertsachen und nutzen Sie günstige Transportmittel wie Bus und Mototaxi, um unauffällig zu bleiben.
  • Respektieren Sie die Tierwelt, indem Sie Wildtiere niemals füttern und deren Verhalten deuten lernen.

Empfehlung: Planen Sie Ihre Route digital vor, verstehen Sie die Logik der Natur (z.B. Wasserstände) und konzentrieren Sie sich auf das Erlebnis, nicht auf materielle Dinge.

Willkommen im Tijuca-Nationalpark. Als einer der Ranger, die diesen Wald täglich durchstreifen, sehe ich viele Besucher aus Deutschland kommen – mit Abenteuerlust in den Augen, aber auch mit einer verständlichen Sorge im Herzen. Rio de Janeiro hat einen Ruf, und ein riesiger Stadtwald scheint ein Ort voller unbekannter Risiken zu sein. Die meisten Ratgeber sagen Ihnen das Offensichtliche: Seien Sie vorsichtig, bleiben Sie auf den Wegen, nehmen Sie ein Taxi. Diese Ratschläge sind nicht falsch, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Sie behandeln den Wald wie einen Feind, den es zu überlisten gilt.

Doch was, wenn die wahre Sicherheit nicht in der Vermeidung, sondern im Verstehen liegt? Was, wenn der Schlüssel darin besteht, die Logik dieses Ortes zu verinnerlichen – sowohl die des menschlichen Umfelds an den Parkgrenzen als auch die des natürlichen Ökosystems im Inneren? Es geht darum, nicht als auffälliger Tourist, sondern als unauffälliger Beobachter aufzutreten. Es geht darum, das Verhalten von Mensch und Tier lesen zu lernen und die eigenen Ressourcen – Geld, Zeit, Aufmerksamkeit – klug einzusetzen. Dieser Wald ist kein deutscher Stadtpark; er ist ein lebendiges, komplexes System.

In diesem Leitfaden werde ich Ihnen nicht nur sagen, was Sie tun sollen. Ich werde Ihnen erklären, warum Sie es tun sollen, damit Sie lernen, mit dem Blick eines Rangers zu denken. Wir werden die menschlichen Risiken an den Eingängen analysieren, die Logistik der Anreise ohne Abzocke meistern, die Tierwelt mit Respekt statt Angst betrachten und die wahren Belohnungen entdecken, die dieser Wald für diejenigen bereithält, die ihn mit dem richtigen Wissen betreten. Vergessen Sie die Angst und lernen Sie das situative Bewusstsein. Das ist der wahre Schlüssel zu einem unvergesslichen und sicheren Abenteuer.

Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch die Denkweise, die Sie für eine sichere und selbstbestimmte Erkundung des Tijuca-Waldes benötigen. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die wichtigsten Aspekte, die wir behandeln werden.

Warum sollten Sie im Tijuca-Wald niemals Wertsachen offen tragen?

Die größte Gefahr im Tijuca-Wald ist nicht die Natur, sondern der Mensch an seinen Rändern. Das oberste Gesetz lautet hier: Urbane Tarnung. Es geht nicht nur darum, keine Wertsachen zu haben, sondern darum, nicht so auszusehen, als hätte man welche. Opportunistische Diebstähle sind das Hauptproblem. Ein Dieb sucht nach dem einfachsten Ziel. Eine glänzende Uhr, eine teure Kamera oder sogar ein auffälliges Markenlogo auf Ihrer Kleidung signalisieren: „Hier gibt es etwas zu holen.“ Sie werden zu einem Ziel, bevor Sie überhaupt einen Fuß auf den Wanderweg gesetzt haben.

Denken Sie wie ein Jäger, der nicht gesehen werden will. Ihr Ziel ist es, in der Menge unterzugehen und uninteressant zu wirken. Das teure Smartphone sollte nicht lässig in der Hand gehalten, sondern nur bei Bedarf kurz hervorgeholt und sofort wieder sicher verstaut werden. Eine goldene Halskette, die in Deutschland vielleicht unauffällig ist, kann hier eine Einladung sein. Es ist ein simples, aber effektives Prinzip: Was man nicht sieht, kann man nicht begehren. Die brasilianische Regierung warnt ausdrücklich vor diesem Risiko, denn Diebstähle ereignen sich vor allem dort, wo Touristen unachtsam sind. Wie es in einem Reisehinweis treffend formuliert wird:

Bei Wanderungen in National- und Naturparks von Rio de Janeiro (wie etwa dem Tijuca Nationalpark) gilt auch tagsüber: Bleiben Sie in Gruppen und verlassen Sie die gekennzeichneten Wege nicht.

Brasilien.de

Die beste Versicherung ist also nicht, was Sie in der Tasche haben, sondern was Sie nicht zur Schau stellen. Lassen Sie alles, was einen emotionalen oder finanziellen Wert hat, sicher im Hotel. Ihre Erinnerungen sind wertvoller als jedes Foto von einer teuren Kamera, die Sie am Ende verlieren könnten.

Am Ende des Tages werden Sie feststellen, dass diese Reduktion auf das Wesentliche nicht nur Ihre Sicherheit erhöht, sondern auch das Naturerlebnis intensiviert. Ohne die Ablenkung durch materielle Dinge sind Sie freier, die wahre Schönheit des Waldes wahrzunehmen.

Wie kommt man ohne teures Taxi zum Parkeingang und wieder zurück?

Die Anreise zum Parkeingang ist der Moment, in dem viele Besucher aus Bequemlichkeit in die teure Taxi- oder Uber-Falle tappen. Doch wer das Prinzip der Ressourcenschonung verstanden hat, erkennt hier eine Chance, Geld zu sparen und gleichzeitig tiefer in den lokalen Alltag einzutauchen. Der Tijuca-Nationalpark ist kein abgelegenes Wildnisgebiet; er ist fest in die städtische Infrastruktur Rios integriert. Der Park ist bei Einheimischen extrem beliebt, was sich auch in den Besucherzahlen widerspiegelt: Pro Jahr zählt der Park über zwei Millionen Besucher aus aller Welt.

Diese Beliebtheit bedeutet, dass der Park gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist – wenn man weiß, wie. Der zentrale Umsteigepunkt für den Hauptsektor (Setor Floresta) ist die Praça Afonso Viseu im Stadtteil Alto da Boa Vista. Hierher fahren mehrere reguläre Buslinien aus verschiedenen Teilen der Stadt. Der Clou ist die „letzte Meile“: Vom Platz bis zum eigentlichen Parkeingang sind es einige Kilometer bergauf. Anstatt ein teures Taxi für die gesamte Strecke zu nehmen, nutzen Sie die lokalen Mototaxis, die an der Praça warten. Für wenige Reais bringen sie Sie schnell und sicher den Berg hinauf. Diese Kombination aus Bus und Mototaxi ist nicht nur unschlagbar günstig, sondern auch ein authentisches Rio-Erlebnis.

Bushaltestelle Praça Afonso Viseu mit wartenden Mototaxis im Hintergrund des Tijuca-Waldes

Dieses Vorgehen ist ein perfektes Beispiel für situatives Bewusstsein. Sie beobachten, wie die Einheimischen es machen, und passen sich an. Sie sparen nicht nur Geld, sondern vermeiden auch, als ahnungsloser Tourist aufzufallen, der bereit ist, jeden Preis zu zahlen. Ein weiterer Vorteil: Sie sind flexibler. Taxis und Uber-Fahrer weigern sich oft, auf dem Rückweg wieder in den Park zu fahren, um Sie abzuholen. Die Mototaxis an der Praça Afonso Viseu sind jedoch immer da.

Indem Sie sich auf die lokalen Gegebenheiten einlassen, wandeln Sie eine logistische Herausforderung in einen Teil Ihres Abenteuers um und starten Ihre Wanderung mit dem guten Gefühl, eine kluge und authentische Entscheidung getroffen zu haben.

Jeep-Tour oder eigene Faust: Was bietet mehr Naturerlebnis für 50 Euro?

Die Frage, ob man eine organisierte Jeep-Tour buchen oder den Wald auf eigene Faust erkunden sollte, ist eine Grundsatzentscheidung. Die Touren versprechen Bequemlichkeit und Sicherheit, doch als Ranger sehe ich oft, dass sie das genaue Gegenteil von dem liefern, was abenteuerlustige Wanderer suchen: ein authentisches Naturerlebnis. Eine Jeep-Tour ist oft eine überteuerte „Foto-Safari“, bei der man von einem Aussichtspunkt zum nächsten gefahren wird, um schnell ein Bild zu machen. Die wahre Magie des Waldes – die Geräusche, die Gerüche, das Gefühl, sich aus eigener Kraft einen Gipfel erarbeitet zu haben – geht dabei verloren.

Ein Blick auf die Kosten zeigt schnell, warum die selbstorganisierte Tour aus Sicht der Ressourcenschonung überlegen ist. Das gesparte Geld können Sie in ein unvergessliches Açaí nach der Wanderung investieren. Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht den Unterschied.

Kostenvergleich: Selbstorganisierte Wanderung vs. Jeep-Tour
Kostenpunkt Eigene Faust Jeep-Tour (50€)
Transport Bus/Metro: 3€ Inklusive Abholung
Eintritt Kostenlos Inklusive
Verpflegung Wasser/Snacks: 5€ Nicht inklusive
Flexibilität Unbegrenzte Zeit 4 Stunden fixiert
Belohnungs-Açaí 4€ Nicht inklusive
Gesamtkosten 12-15€ 50€+

Doch es geht um mehr als nur Geld. Die gut gewarteten und markierten Wege im Park machen einen Guide für die meisten Routen überflüssig. Wie viele Wanderer bestätigen, ist gerade die eigenständige Bewältigung eine enorme Belohnung. In einer Analyse der Wanderwege wird betont: „The park offers leisure options, activities, and hikes for all audiences and ages… The trail system is excellent and well-marked.“ Das Gefühl, die 117 in Stein gehauenen Stufen zum Gipfel des Pico da Tijuca selbst erklommen zu haben, ist mit keiner Jeep-Tour aufzuwiegen. Sie bestimmen Ihr eigenes Tempo, verweilen, wo es Ihnen gefällt, und erleben den Wald in seiner vollen Intensität.

Letztendlich ist die selbstgeführte Wanderung die Wahl für diejenigen, die ein kalkuliertes Risiko eingehen, um eine tiefere Verbindung zur Natur herzustellen. Es ist die anspruchsvollere, aber bei weitem lohnendere Erfahrung.

Der Fehler, Affen zu füttern: Welche Krankheiten drohen im Kontakt?

Im Tijuca-Wald leben mehr als 230 Tierarten, und die Begegnung mit Kapuzineraffen oder Nasenbären gehört zu den Highlights. Doch hier machen viele Besucher aus falsch verstandener Tierliebe einen gravierenden Fehler: Sie füttern die Tiere. Als Ranger muss ich es deutlich sagen: Das Füttern von Wildtieren ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich – für Sie und für die Tiere. Dieses Verhalten widerspricht jeder ökologischen Logik und hat ernste Konsequenzen.

Tiere, die an Menschenfutter gewöhnt werden, verlieren ihre natürliche Scheu und werden aufdringlich, manchmal sogar aggressiv. Sie verbinden Menschen mit Futter und können versuchen, Rucksäcke oder Taschen zu stehlen. Viel ernster ist jedoch das Gesundheitsrisiko. Affen können Träger von Viren und Bakterien sein, die auf den Menschen übertragbar sind, darunter Herpes B oder Tollwut-ähnliche Erreger. Ein Biss oder Kratzer kann eine sofortige medizinische Behandlung erfordern, was in der Abgeschiedenheit des Waldes ein ernstes Problem darstellt. Sie gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch die Tiere, die durch unnatürliche Nahrung krank werden und ihre Fähigkeit zur selbstständigen Futtersuche verlieren.

Der richtige Umgang erfordert Respekt und Distanz. Beobachten Sie die Tiere aus sicherer Entfernung, genießen Sie den Anblick, aber greifen Sie niemals in ihr Verhalten ein. Das ist der wahre Ausdruck von Tierliebe. Um Zwischenfälle zu vermeiden, sollten Sie ein klares Verhaltensprotokoll befolgen:

  • Bieten Sie niemals Futter an und tragen Sie es nicht sichtbar bei sich.
  • Halten Sie Rucksäcke und Taschen immer vollständig verschlossen.
  • Bleiben Sie bei einer Annäherung von Affen ruhig stehen und vermeiden Sie direkten Augenkontakt.
  • Konsumieren Sie Ihr eigenes Essen nur an Orten, an denen keine Affen in der Nähe sind.
  • Im unwahrscheinlichen Fall eines Bisses: Bewahren Sie Ruhe und wählen Sie umgehend den brasilianischen Notruf 192 (SAMU).

Indem Sie die Tiere als das respektieren, was sie sind – wilde Bewohner des Waldes –, tragen Sie aktiv zum Schutz des Ökosystems bei und sorgen gleichzeitig für Ihre eigene Unversehrtheit. Die beste Interaktion ist die stille Beobachtung.

Wann führen die Wasserfälle im Park genug Wasser für ein erfrischendes Bad?

Nach einer anstrengenden Wanderung in der tropischen Hitze gibt es kaum etwas Verlockenderes als ein erfrischendes Bad in einem natürlichen Wasserfallbecken. Der Tijuca-Wald beherbergt mehrere wunderschöne Wasserfälle, doch viele Besucher stehen enttäuscht vor einem trockenen Rinnsal. Auch hier ist die ökologische Logik der Schlüssel zum Erfolg. Die Wassermenge der Fälle ist direkt von den saisonalen Regenfällen abhängig.

Die Hauptregenzeit in Rio de Janeiro dauert von November bis April. In diesen Monaten fallen die meisten der jährlichen Niederschläge von rund 2.000 mm. Wenn Sie Ihre Reise in dieser Zeit planen, sind Ihre Chancen auf beeindruckende und badetaugliche Wasserfälle am höchsten. Außerhalb dieser Monate, im trockeneren brasilianischen Winter, können viele der kleineren Bäche und Kaskaden fast vollständig versiegen. Der beste Zeitpunkt für einen Besuch ist jedoch nicht direkt während eines Regenschauers, sondern in den Tagen danach.

Eine gute Faustregel, die wir Ranger hier anwenden: 48 Stunden nach einem kräftigen Regen führen die Wasserfälle das meiste und klarste Wasser. Dann ist das Erlebnis am intensivsten. Nicht alle Wasserfälle eignen sich gleichermaßen zum Baden. Während die imposante, 30 Meter hohe Cascatinha Taunay eher ein beeindruckendes Fotomotiv ist, gilt die Cachoeira das Almas als idealer Ort für eine sichere Abkühlung. Ihr Becken ist leicht zugänglich und das Wasser ist an heißen Tagen eine wahre Wohltat.

Natürliches Wasserfallbecken mit klarem Wasser umgeben von tropischer Vegetation

Das Wissen um diese natürlichen Zyklen ermöglicht es Ihnen, Ihre Wanderung gezielt zu planen. Anstatt dem Zufall zu überlassen, ob Sie einen vollen Wasserfall vorfinden, können Sie den Wetterbericht nutzen, um Ihr Erlebnis zu maximieren. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das Verständnis für die Natur zu einer weitaus reicheren Erfahrung führt als eine standardisierte Tour sie je bieten könnte.

Ein Bad in der Cachoeira das Almas ist nicht nur eine Abkühlung, sondern die verdiente Belohnung für eine Wanderung, die mit Bedacht und im Einklang mit der Natur geplant wurde.

Wie kommen Sie zum Startpunkt des Wanderwegs, wenn keine öffentlichen Busse dort halten?

Die Freiheit der selbstgeführten Wanderung bringt eine letzte logistische Hürde mit sich: Wie erreicht man die spezifischen Startpunkte der Wanderwege (genannt „Trilhas“), die oft tief im Park liegen und nicht direkt von öffentlichen Bussen angefahren werden? Hier trennt sich der vorbereitete Wanderer vom planlosen Touristen. Die Lösung liegt in einer Kombination aus digitaler Vorbereitung und der bereits erwähnten smarten Nutzung lokaler Transportmittel. Die meisten Hauptwanderwege sind über die drei großen Sektoren des Parks zugänglich: Setor Floresta, Setor Serra da Carioca und Setor Pedra Bonita.

Jeder Sektor und jeder Wanderweg hat seine eigene, optimale Anreiseroute. Der Schlüssel ist, die öffentlichen Verkehrsmittel so nah wie möglich an den gewünschten Punkt heranzuführen und für die „letzte Meile“ auf ein Mototaxi oder einen App-basierten Fahrdienst (Uber/99) umzusteigen. Für den beliebten Pico da Tijuca beispielsweise fahren Sie mit dem Bus zur Praça Afonso Viseu und nehmen von dort ein Mototaxi zum Startpunkt Bom Retiro. Für die Pedra Bonita hingegen ist die Metrostation São Conrado der beste Ausgangspunkt für die Weiterfahrt mit dem Mototaxi.

Eine gute Vorbereitung ist hier unerlässlich. Da die Mobilfunkabdeckung im Park lückenhaft sein kann, ist es entscheidend, nicht auf eine ständige Internetverbindung angewiesen zu sein. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigsten Routen.

Zugangspunkte zu den Hauptwanderwegen
Wanderweg Sektor Anreise Schwierigkeit
Pico da Tijuca Setor Floresta Bus 233 bis Praça Afonso Viseu + Mototaxi zum Bom Retiro Mittel
Pedra Bonita Setor Pedra Bonita Metro bis São Conrado + Mototaxi Estrada das Canoas hinauf Leicht
Cachoeira das Almas Setor Floresta Bus 221 von Praça XV + 3km Fußweg vom Eingang Leicht
Vista Chinesa Setor Serra da Carioca Uber/99 direkt (nur Mo-Fr zugänglich) Sehr leicht

Ihr digitaler Kompass für die Anreise: Eine Checkliste

  1. Laden Sie offline Karten (Maps.me oder Google Maps) des Parks vorab herunter.
  2. Speichern Sie Eingänge als Favoriten in der Uber/99 App (z.B. ‚Entrada Setor Floresta PNT‘).
  3. Machen Sie einen Screenshot von Buslinien und Zeiten für den offline Zugriff.
  4. Fragen Sie im Hotel nach WhatsApp-Nummern lokaler Mototaxi-Fahrer.
  5. Nehmen Sie eine Powerbank mit – es gibt keinen Strom im Park zum Laden des Handys.

Diese sorgfältige Planung mag wie ein Aufwand erscheinen, aber sie ist der Preis für die Freiheit, den Wald nach Ihren eigenen Regeln zu entdecken. Sie macht Sie unabhängig von teuren Touren und gibt Ihnen die volle Kontrolle über Ihr Abenteuer.

Gibt es im Tijuca-Nationalpark giftige Schlangen oder Spinnen, vor denen Sie Angst haben müssen?

Die Vorstellung, im Dschungel auf eine giftige Schlange oder Spinne zu treffen, ist eine Urangst, die viele Wanderer beschäftigt. Als Ranger kann ich Sie hier beruhigen: Die Gefahr ist real, aber das Risiko einer Begegnung ist extrem gering und das Risiko eines Bisses praktisch null, wenn man sich richtig verhält. Es geht darum, ein kalkuliertes Risiko zu verstehen und die Angst durch Wissen zu ersetzen. Im Park gibt es zwar Giftschlangen, doch die Wahrscheinlichkeit, eine zu sehen, ist verschwindend gering.

Die einzige medizinisch relevante Giftschlange im Park ist die Jararaca-Lanzenotter (Bothrops jararaca). Diese Schlangen sind jedoch extrem scheu, nachtaktiv und meiden Menschen. Sie beißen nur, wenn sie direkt bedroht oder getreten werden. Eine offizielle Einschätzung zur Tierwelt bestätigt: „Reptilien wie … die Jararáca (Bothrops jararaca) haben ebenfalls überlebt.“ Die Tatsache, dass sie „überlebt“ haben, zeigt bereits, wie selten sie sind. Bei über zwei Millionen Besuchern pro Jahr sind Bissunfälle im Tijuca-Nationalpark statistisch nicht existent. Es gibt weitaus größere Risiken im Stadtverkehr von Rio.

Anstatt sich von der Angst lähmen zu lassen, sollten Sie einfache Vorsichtsmaßnahmen treffen, die das ohnehin schon geringe Risiko weiter minimieren. Das Wichtigste ist, auf den markierten Wegen zu bleiben. Schlangen und andere Tiere halten sich meist im dichten Unterholz versteckt. Festes, knöchelhohes Schuhwerk ist der beste Schutz gegen Bisse im unwahrscheinlichen Fall, dass Sie versehentlich auf ein Tier treten. Seien Sie aufmerksam auf Ihre Umgebung, achten Sie auf Geräusche und schauen Sie, wohin Sie treten, besonders in Laub oder in der Nähe von Felsen. Sollten Sie wider Erwarten eine Schlange sehen: Bleiben Sie ruhig stehen, machen Sie keine hektischen Bewegungen und ziehen Sie sich langsam zurück.

Die Natur des Tijuca-Waldes ist nicht feindselig. Sie verlangt lediglich Respekt und Aufmerksamkeit. Mit dem richtigen Verhalten verwandelt sich die unbegründete Angst in einen gesunden Respekt, der ein entspanntes und sicheres Naturerlebnis erst möglich macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Urbane Tarnung ist Ihr bester Schutz: Verzichten Sie auf alles, was nach Geld aussieht.
  • Die Natur hat Regeln: Füttern Sie niemals Tiere und respektieren Sie deren Lebensraum.
  • Gute Vorbereitung schlägt teure Touren: Mit Offline-Karten und Wissen über lokale Transporte sind Sie unabhängig und sicher.

Welche exotischen Tiere können Sie im Tijuca-Wald wirklich sehen und welche sind gefährlich?

Nachdem wir die potenziellen Gefahren durch Mensch und Tier realistisch eingeordnet haben, kommen wir zur Belohnung: den faszinierenden Tierbegegnungen, die eine Wanderung im Tijuca-Wald so besonders machen. Viele Besucher kommen mit der vagen Hoffnung, „exotische Tiere“ zu sehen, aber es ist wichtig, die Erwartungen zu steuern. Sie werden wahrscheinlich keinen Jaguar oder eine Anakonda treffen. Die wahren Stars des Parks sind kleiner, aber nicht weniger beeindruckend. Das Wissen, wonach man Ausschau halten muss und wann die besten Sichtungszeiten sind, erhöht Ihre Chancen auf unvergessliche Momente erheblich.

Die „Big Five“ des Tijuca-Waldes, also die Tiere, die Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen werden, sind Kapuzineraffen, Nasenbären (Quatis), Tukane, blaue Morphofalter und mit viel Glück ein Faultier. Kapuzineraffen und Nasenbären sind vor allem in der Nähe der Eingänge und Picknickplätze anzutreffen, besonders am Vormittag. Sie sind an Menschen gewöhnt, aber denken Sie an unsere Regel: Beobachten, nicht interagieren! Tukane sind schwieriger zu entdecken. Achten Sie in den frühen Morgenstunden auf ihr lautes Rufen und suchen Sie die Baumkronen ab. Die leuchtend blauen Morphofalter hingegen tanzen an sonnigen Tagen oft direkt über den Wanderwegen.

Die folgende Übersicht hilft Ihnen, Ihre Erwartungen zu kalibrieren und Ihre Aufmerksamkeit auf die richtigen Zeichen zu lenken.

Die ‚Big Five‘ von Tijuca – Realistische Tiersichtungen
Tierart Häufigkeit Beste Sichtungszeit Gefährlichkeit Wo zu finden
Kapuzineraffe Sehr häufig Morgens 7-10 Uhr Nur bei Fütterung Nahe Eingängen
Nasenbär (Quati) Häufig Ganztägig Ungefährlich Picknickplätze
Tukan Gelegentlich Früher Morgen Keine Baumkronen
Morphofalter Häufig Sonnige Mittage Keine Offene Wege
Faultier Sehr selten Beliebig Keine Hohe Bäume

Ein realistisches Bild der Tierwelt ist der letzte Schritt, um Ihren Besuch zu einem vollen Erfolg zu machen. Die Kenntnis darüber, welche Tiere Sie wirklich erwarten können, wandelt eine passive Hoffnung in eine aktive Suche um.

Ihre Wanderung im Tijuca-Wald wird so zu einer spannenden Entdeckungsreise. Sie haben gelernt, die Risiken zu managen und unauffällig zu bleiben. Nun können Sie sich voll und ganz darauf konzentrieren, die Augen und Ohren für die wahren Schätze dieses einzigartigen urbanen Regenwaldes zu öffnen.

Geschrieben von Lena Schmidt, M.Sc. Biologin und zertifizierte Ökotourismus-Führerin im atlantischen Regenwald. Expertin für lokale Flora, Fauna und nachhaltige Outdoor-Aktivitäten im Tijuca-Nationalpark und an den Küstenfelsen.